Wildgehege Volkspark Rehberge: wie Wedding sein Damwild vor dem Aus rettete

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Das Wildgehege im Volkspark Rehberge stand nach dem Tod seines letzten Wildschweins vor dem Aus. Ein Beschluss des Bezirksamts sicherte den Fortbestand, seit 2024 leben wieder junge Wildschweine im Gehege, dazu Mufflons, ein Damhirsch und Kamerunschafe. Der Besuch bleibt kostenlos. Datenstand: Juli 2026.

Für viele Weddinger Kinder ist das Wildgehege im Westteil des Volksparks Rehberge die größte Attraktion des Parks, und für die ganze Stadt eine der wenigen Gelegenheiten, Damwild oder Mufflons ohne Zooeintritt aus der Nähe zu erleben. Dass es dieses Gehege noch gibt, war zwischenzeitlich keineswegs sicher. Die Geschichte seiner Rettung und Wiederbesiedlung zeigt, wie fragil solche kommunalen Tieranlagen sind und wie viel Anhänglichkeit ein Kiez für seine Tiere entwickeln kann. In welchem Bezirk der Park liegt und was ihn umgibt, ordnet der Beitrag zu den Berliner Bezirken ein.


Als das letzte Wildschwein starb, drohte das Aus

Wildschweine gehören zur Rehberge, seit um das Jahr 2016 eine kleine Rotte aus dem benachbarten Forst Tegel eingezogen war. Als das letzte Tier dieser Gruppe eingeschläfert werden musste, stand das rund ein Hektar große Wildschweingehege am Dohnagestell verwaist da. Tierfreunde aus dem Kiez, unter ihnen die Weddingerin Anke Ortmann, äußerten die Sorge, der damals zuständige Bezirk Mitte könnte das in den 1920er Jahren angelegte Gehege aus finanziellen Gründen ganz aufgeben.

Die Befürchtung war nicht unbegründet. In der Bezirkspolitik kursierten Überlegungen, die Anlage abzuschaffen. Für ein Gehege, das traditionell von zahlreichen Kita-Gruppen und Schulklassen der umliegenden Grundschulen besucht wird, wäre das ein spürbarer Verlust gewesen.


Ein Bezirksbeschluss und eine Tierpflegerin von den Berliner Stadtbären

Statt zu schließen, entschied sich das Bezirksamt für den Erhalt. Ein entsprechender Beschluss sicherte den Fortbestand und sah vor, die Anlage aufzupäppeln. Fortan sollte eine gelernte Tierpflegerin dauerhaft für die Rehberge zuständig sein, dieselbe Fachkraft, die sich zuvor um die Berliner Stadtbären am Köllnischen Park gekümmert hatte. Nach dem Ende der Stadtbären-Haltung kamen frei gewordene Mittel den Tieren im Volkspark Rehberge zugute.

Parallel nutzte das Grünflächenamt die tierlose Zeit von rund 15 Monaten für die Instandsetzung: Der Zaun wurde erneuert und neue Unterstände wurden gebaut, wofür nach Angaben der lokalen Presse etwa 25.000 Euro investiert wurden. In einem Antrag der Bezirksverordnetenversammlung war zudem angeregt worden, sich mit anderen Bezirken abzustimmen, die vergleichbare Gehege betreiben, um eine artgerechte Zusammensetzung der Tierbestände zu erreichen.


Vier junge Wildschweine aus dem Forst Tegel

Die Wiederbesiedlung gelang 2024. Wie schon Jahre zuvor stammten die Tiere aus dem Forst Tegel, wo der Bestand zu groß geworden war und Wildschweine an den Bezirk abgegeben wurden. Zunächst zogen zwei ein Jahr alte Geschwister ein, ein Eber und eine Bache, Ende September folgten zwei weitere Bachen. Anfangs war das zugewachsene Areal ein gutes Versteck, sodass Besucherinnen und Besucher um das Gehege herumlaufen mussten, um die noch kleinen Tiere zu entdecken. Inzwischen haben die Wildschweine das Gelände durchwühlt und sind besser zu sehen.

Neben den Wildschweinen lebt weiteres Wild im Gehege. Nach Angaben des Weddinger Grünflächenamts waren dies zuletzt rund zehn Mufflons, ein Damhirsch, etwa ein Dutzend Kamerunschafe und zwei Fasane. Die genauen Zahlen können sich ändern, der Kern des Bestands aus Wildschweinen, Mufflons und Damwild ist jedoch stabil.


Warum ein kleines Wildgehege für Wedding so viel zählt

Der Volkspark Rehberge entstand zwischen 1926 und 1929 auf einer weitgehend abgeholzten Sandfläche, angelegt im Rahmen eines Notstandsprogramms, das Tausenden Arbeitslosen Beschäftigung gab. Das Tiergehege war von Beginn an Teil der Anlage und steht damit in der Tradition der Volksparkbewegung der Weimarer Republik, die grüne Erholungsräume bewusst für die gesamte Stadtbevölkerung schuf.

Genau darin liegt der Wert des Geheges bis heute. Wo ein Zoobesuch für eine Familie schnell ins Geld geht, ist die Begegnung mit Damwild und Wildschweinen hier kostenlos und jederzeit möglich. Für Stadtkinder, die heimische Wildtiere sonst kaum zu Gesicht bekommen, ist das ein niedrigschwelliger Zugang zur Natur. Die Rettungsgeschichte zeigt zugleich, dass solche Anlagen dauerhaft von politischen Entscheidungen und knappen Bezirkskassen abhängen. Weitere kostenlose Tierorte der Stadt lassen sich gut mit einem Familienausflug in den Schulferien verbinden.


Das Wildgehege im Volkspark Rehberge besuchen

Das Gehege liegt im westlichen Teil des rund 78 Hektar großen Volksparks Rehberge, nahe dem Dohnagestell. Als Parkadressen dienen die Afrikanische Straße und die Otawistraße im Postleitzahlenbereich 13351. Der Park ist jederzeit frei betretbar, der Besuch kostet nichts. Wie bei allen Wildtieren braucht es mitunter etwas Geduld, bis sich die Tiere blicken lassen.

Erreichbar ist der Park mit der U6 bis zur Station Rehberge, mit den Tramlinien 50 und M13 bis Seestraße oder Amrumer Straße sowie mit dem Bus 221 bis Otawistraße. Für Hunde gilt im gesamten Park Leinenpflicht, Grillen ist nicht erlaubt. Offizielle Informationen zum Park bietet die Übersicht auf berlin.de, ergänzende Hintergründe finden sich bei visitBerlin. Die Angaben zu Bestand und Anlage haben den Stand Juli 2026.


Häufige Fragen zum Wildgehege im Volkspark Rehberge

Wo genau befindet sich das Wildgehege?

Das Gehege liegt im westlichen Teil des Volksparks Rehberge in Wedding, nahe dem Dohnagestell. Über die Afrikanische Straße und die Otawistraße ist der Parkbereich gut erreichbar.

Kostet der Besuch Eintritt?

Nein. Der Volkspark und sein Wildgehege sind frei zugänglich, ein Eintritt wird nicht erhoben. Die Tiere werden vom Bezirk versorgt.

Welche Tiere leben im Gehege?

Neben den seit 2024 wieder eingezogenen Wildschweinen leben dort Mufflons, ein Damhirsch, Kamerunschafe und Fasane. Der genaue Bestand kann sich im Lauf der Zeit verändern.

Darf man die Tiere füttern?

Mitgebrachtes Futter kann den Wildtieren schaden und ist zu unterlassen. Die Versorgung übernimmt die zuständige Tierpflege, für Beobachtung und Fotos genügt der Blick durch den Zaun.

Regional Magazin Berlin

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