Wer in einer Berliner Eckkneipe „ein Bier“ bestellt, wird verstanden, klingt aber nach Zugezogenem. Die eigentliche Kneipensprache dreht sich um das Getränk, das Lokal und das Ritual drumherum. Dieses Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe vom Ausschank bis zum Tresen.
Die Berliner Kneipenkultur hat über Generationen ein eigenes Vokabular hervorgebracht, geprägt von den Arbeitervierteln des späten 19. Jahrhunderts und verewigt unter anderem in den Zeichnungen von Heinrich Zille. Vieles davon lebt bis heute an den Tresen der Stadt weiter. Die Begriffe lassen sich grob in drei Gruppen ordnen: rund um das Getränk, rund um das Lokal und rund um das, was am Tresen sonst noch passiert.
Das Getränk bestellen: Molle, Blonde und das Herrengedeck
Der wichtigste Begriff ist die Molle. Gemeint ist schlicht ein Glas Bier, das Wort leitet sich vom norddeutschen „Mulde“ ab. Wer stattdessen „eine Blonde“ verlangt, bekommt ein Berliner Weißbier.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Molle | ein Glas Bier, vom Wort „Mulde“ abgeleitet |
| Blonde | ein Berliner Weißbier |
| Berliner Weiße mit Schuss | Weißbier mit Sirup, grün mit Waldmeister oder rot mit Himbeere |
| Herrengedeck | ein Bier zusammen mit einem Korn, in Berlin auch „Molle und Korn“ |
| Molle mit Kompott | scherzhaft ebenfalls für das Herrengedeck, also Bier plus Schnaps |
| Kurzer / Klarer | ein Schnaps, meist Korn oder ein anderer klarer Branntwein |
| Absacker | das letzte Getränk zum Abschluss des Abends |
Die Kneipe selbst: Destille, Stampe, Pinte und Kaschemme
Für das Lokal gibt es in Berlin auffällig viele Wörter, und sie tragen feine Unterschiede in sich. Die Destille verweist auf ihren Ursprung als Schankwirtschaft mit eigenem Schnapsausschank; das Wort leitet sich von Destillerie ab. Aus vielen Destillen wurden im Lauf der Zeit schlicht Kneipen. Die Stampe bezeichnet die kleine, einfache, oft verrauchte Eckkneipe.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Kneipe | der Oberbegriff für die einfache Gaststätte mit Ausschank |
| Destille | Kneipe, ursprünglich mit Branntweinausschank, von „Destillerie“ |
| Stampe | kleine, einfache, meist verrauchte Kneipe |
| Pinte | umgangssprachlich ebenfalls für Kneipe |
| Kaschemme | heruntergekommene, zwielichtige Kneipe |
| Eckkneipe / Kiezkneipe | die Kneipe an der Straßenecke als fester Treffpunkt im Viertel |
Wie konkret diese Begriffe sind, zeigt der Blick auf reale Orte. Das E. & M. Leydicke in Schöneberg ging aus einer Likörfabrik von 1877 hervor und ist bis heute als Destille bekannt. Das Metzer Eck in Prenzlauer Berg eröffnete 1913 unter dem Namen „Vahlenstein Destille“, ehe es nach dem Zweiten Weltkrieg seinen heutigen Namen bekam.
Rund um den Tresen: Stammtisch, Feierabend und der Mollenkutscher
Auch das Geschehen an der Theke hat seine eigenen Ausdrücke. Manche sind in ganz Deutschland geläufig, bekommen in Berlin aber ihren eigenen Klang.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Tresen / Theke | der Ausschanktisch, an dem bestellt und getrunken wird |
| Stammtisch | der feste Tisch der regelmäßigen Gäste, der Stammgäste |
| Feierabendbier | das Bier nach getaner Arbeit |
| Blume | die Schaumkrone auf dem frisch gezapften Bier |
| Mollenkutscher | historisch ein Kellner, der beim Bierausschank half |
Was dazu auf den Tisch kommt: Solei, Stulle und Hackepeter
Zur Kneipe gehört traditionell eine kleine, deftige Küche. Auch hier lohnt sich ein Blick ins Vokabular, denn die Klassiker stehen bis heute in vielen Alt-Berliner Lokalen auf der Karte.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Solei / Soleier | in Salzlake eingelegte Eier, ein Klassiker auf dem Tresen |
| Stulle | eine Scheibe Brot, meist belegt |
| Hackepeterstulle | Brot mit gewürztem rohem Schweinemett |
| Bulette | der flache Hackbraten, andernorts Frikadelle genannt |
| Senfeier | gekochte Eier in Senfsoße, oft mit Kartoffeln |
Kleine Sprach-Knigge: so klingt die Bestellung wie beim Alteingesessenen
In der Praxis genügen wenige Wendungen. „Ne Molle, bitte“ bestellt ein Bier, „eene Molle und een Korn“ das Herrengedeck. Die Berliner Schnauze ist dabei direkt, aber selten unfreundlich gemeint; der raue Ton gehört zum Charme. Und wer zu hören bekommt, er solle „keene Fisimatenten“ machen, ist aufgefordert, keine Umstände zu bereiten. Der Späti nebenan, kurz für Spätkauf, ist zwar keine Kneipe, gehört zur Berliner Nachtvokabel aber dazu.
Wo sich diese Sprache am dichtesten hält, ist eine Frage des Kiezes. Eine Orientierung dazu bietet die Übersicht der Berliner Bezirke, etwa für die Traditionslokale rund um Prenzlauer Berg oder das alte West-Berlin in Charlottenburg. Wer tiefer in den Dialekt einsteigen möchte, findet ein umfangreiches Nachschlagewerk im offiziellen Berlinerisch-Glossar und zur Wortgeschichte der Destille im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache.
Häufige Fragen zur Berliner Kneipensprache
Was bedeutet „Molle“ in Berlin?
Eine Molle ist ein Glas Bier. Das Wort leitet sich vom norddeutschen „Mulde“ ab. Wer „eine Blonde“ bestellt, meint dagegen ein Berliner Weißbier.
Was ist ein Herrengedeck?
Ein Herrengedeck besteht aus einem Bier und einem Korn. In Berlin heißt es auch „Molle und Korn“ oder scherzhaft „Molle mit Kompott“.
Was ist eine Stampe?
Eine Stampe ist eine kleine, einfache und oft verrauchte Kneipe, also die klassische Eckkneipe ohne Schnickschnack.
Was ist eine Destille?
Eine Destille ist eine Kneipe. Der Begriff verweist auf den früheren Ausschank von selbst gebranntem Schnaps und leitet sich von Destillerie ab.
Was ist eine Berliner Weiße mit Schuss?
Ein Berliner Weißbier mit einem Schuss Sirup, klassisch grün mit Waldmeister oder rot mit Himbeere. Ohne Zusatz heißt das Weißbier auch „Blonde“.