Der Guide Michelin Deutschland 2026 führt in Berlin 19 Restaurants mit zusammen 25 roten Sternen. Das Rutz in Mitte bleibt das einzige Drei-Sterne-Haus, vier Restaurants tragen zwei Sterne, 14 einen. Dieser Überblick ordnet die aktuelle Sternekarte ein und nennt Preise, Reservierungsvorlauf und Insider-Wege zum Tisch.
Bei der Verleihung am 23. Juni 2026 im Frankfurter Palmengarten fiel Berlins Bilanz kleiner aus als im Jahr zuvor: aus 22 Sternerestaurants sind 19 geworden, aus 28 roten Sternen 25. Neue Sterne gab es diesmal keine. Das Bieberbau in Charlottenburg und das Skykitchen an der Landsberger Allee verloren ihre Auszeichnung, beide bleiben aber geöffnet. Das prism in Charlottenburg taucht ebenfalls nicht mehr auf, es hatte seinen Betrieb bereits Ende August 2025 eingestellt.
Bemerkenswert bleibt die Bandbreite: Regionalküche, Patisserie als eigenständiges Menü, reine Gemüseküche, französische Klassik, österreichische Erinnerungen und asiatisch geprägte Autorenküche stehen in Berlin gleichberechtigt nebeneinander. Wer die Stadt kulinarisch von oben kennenlernen will, findet die Sterne fast ausschließlich in vier Bezirken. Eine Orientierung dazu liefert die Übersicht der Berliner Bezirke.
Rutz in Mitte: Berlins einziges Drei-Sterne-Restaurant feiert 2026 sein 25-jähriges Bestehen
An der Chausseestraße 8 in Mitte, wenige Minuten vom U-Bahnhof Naturkundemuseum (U6), liegt das Rutz. Was 2001 als ambitionierte Weinbar mit angeschlossenem Restaurant begann, hält seit 2020 drei Michelin-Sterne und verteidigt sie 2026 zum wiederholten Mal. Küchenchef Marco Müller kocht reduziert und produktbezogen, sein Mehrgänger heißt „Inspirationen“. Zum 25-jährigen Jubiläum legt das Haus 2026 ein Menü auf, das prägende Gerichte aus einem Vierteljahrhundert versammelt. Patissier Dennis Quetsch wurde zuletzt als Patissier des Jahres geehrt, die Weinkarte umfasst rund 700 Positionen.
Für Feinschmecker mit kleinerem Budget lohnt der Blick nach unten: Die Weinbar Rutz im selben Haus führt einen eigenen Michelin-Stern und schöpft aus demselben Keller wie das Gourmetrestaurant. Wenn das große Menü ausgebucht ist, ist sie die naheliegende Alternative, und die Weinauswahl liest sich fast identisch.
Coda, Facil, Horváth und Tim Raue: die vier Zwei-Sterne-Restaurants und wofür sie stehen
Vier Häuser tragen 2026 jeweils zwei Sterne, und sie könnten unterschiedlicher kaum sein.
Das Coda Dessert Dining in der Friedelstraße 47 in Neukölln serviert seit 2016 ausschließlich Desserts als vielgängiges Menü und ist damit ein Sonderfall in Deutschland. In der Liste der World’s 50 Best Restaurants tauchte es 2025 auf Rang 79 auf.
Das Facil in der Potsdamer Straße 3 liegt im Hotel The Mandala am Potsdamer Platz, verglast rund um einen Bambusgarten im Innenhof. Auch dieses Haus begeht 2026 sein 25-jähriges Jubiläum.
Im Horváth am Paul-Lincke-Ufer 44A, direkt am Landwehrkanal in Kreuzberg, interpretiert Sebastian Frank die österreichische Küche modern und rückt Gemüse in den Mittelpunkt. In Laufnähe liegt der U-Bahnhof Schönleinstraße (U8).
Das Restaurant Tim Raue in der Rudi-Dutschke-Straße 26 nahe dem Checkpoint Charlie (U-Bahnhof Kochstraße, U6) verbindet japanische, thailändische und chinesische Einflüsse zu einer klar als berlinerisch erkennbaren Autorenküche. International rangierte es 2025 auf Platz 58 der World’s 50 Best Restaurants. Rutz, Tim Raue und Horváth erhielten außerdem im Gault&Millau die Höchstwertung von fünf Kochmützen.
14 Ein-Sterne-Restaurants: von der reinen Gemüseküche bis zur ehemaligen Dönerbude
Die Ein-Stern-Kategorie ist der eigentliche Beleg dafür, wie vielgestaltig Sterneküche in Berlin geworden ist. Vegetarisch und vegan gehören dabei längst zur Spitze. Das Cookies Cream in der Behrenstraße 55 hinter Unter den Linden serviert seit 2017 vegetarische Sterneküche, versteckt in einem Hinterhof, in den nur hineinkommt, wer klingelt. Seit Mai 2026 verantwortet Patrick Ziegert dort die Küche. Das Bonvivant in der Goltzstraße 32 in Schöneberg zeigt als Cocktail-Bistro, dass sich ein Stern nicht auf klassische Dinner-Menüs beschränken muss, und stellt Gemüse in den Mittelpunkt.
Für kompromisslos regionale Küche steht das Nobelhart & Schmutzig in der Friedrichstraße 218 in Kreuzberg. Unter dem Motto „brutal lokal“ verarbeitet Micha Schäfer nahezu ausschließlich Zutaten aus Berlin und Brandenburg, Gastgeber Billy Wagner betreut eine der konsequentesten Getränkekarten des Landes. 2025 stand das Haus auf Platz 59 der World’s 50 Best Restaurants.
Berlin erzählt an seinen Sternen auch Aufstiegsgeschichten. Das Bandol sur Mer in der Torstraße 167 war einst eine Dönerbude und ist heute ein intimes französisch geprägtes Fine-Dining-Lokal mit zwei Achtgang-Menüs von Andreas Saul. Wie tief Berlins migrantische Esskultur reicht, zeigt parallel die Szene der türkischen Restaurants in Berlin. Das Hallmann & Klee in der Böhmischen Straße 13 in Neukölln startete als Frühstücksrestaurant, ehe Sarah Hallmann es 2024 zum Sternehaus entwickelte.
Wer den Stern mit Aussicht verbinden möchte, wird ebenfalls fündig. Das Hugos in der Budapester Straße 2 liegt im 14. Stock des InterContinental und hält seinen Michelin-Stern bereits seit 1999 länger als jedes andere Berliner Haus. Das Golvet in der Potsdamer Straße 58 bietet Blick über den Potsdamer Platz und eine offen einsehbare Küche. Klassisch bleibt das Lorenz Adlon Esszimmer Unter den Linden 77 mit Blick auf das Brandenburger Tor.
Die jüngsten Aufsteiger sitzen über die Stadt verstreut: das Loumi in der Ritterstraße 2 in Kreuzberg, das Matthias in der Kollwitzstraße 87 in Prenzlauer Berg sowie das pars von Kristiane Kegelmann in der Grolmanstraße 53 in Charlottenburg, das den Weg von der Pralinenmanufaktur zum Gourmetrestaurant genommen hat. In Prenzlauer Berg, wo neben dem Matthias auch das Bricole in der Senefelderstraße 30 einen Stern trägt, lohnt tagsüber der Abstecher in die gemütlichen Cafés im Kiez. Charlottenburg wiederum verbindet mit dem pars die Sterneküche mit einer dichten Gastro-Landschaft, die der Guide zu den besten Restaurants in Charlottenburg zählt. Komplettiert wird die Ein-Stern-Riege vom französisch inspirierten Irma La Douce in der Potsdamer Straße 102 und dem Tulus Lotrek in der Fichtestraße 24 in Kreuzberg.
Preise, Reservierung und Anfahrt: Was ein Abend im Berliner Sternerestaurant kostet
Die Menüpreise unterscheiden sich stark nach Haus und Gangzahl, die Weinbegleitung kommt fast immer separat hinzu. Die folgende Übersicht bündelt die wichtigsten Praxisangaben für die Spitzenhäuser. Preise und Öffnungszeiten sind der volatilste Teil dieser Angaben und sollten vor dem Besuch auf der jeweiligen Restaurant-Website gegengeprüft werden.
| Restaurant | Sterne | Adresse / Kiez | Anfahrt (ÖPNV) | Menüpreis, Orientierung (Stand: Juni 2026) |
|---|---|---|---|---|
| Rutz | 3 | Chausseestraße 8, Mitte | U6 Naturkundemuseum | gehobenes Drei-Sterne-Niveau, Reservierung sechs bis acht Wochen im Voraus |
| Coda Dessert Dining | 2 | Friedelstraße 47, Neukölln | U8 Schönleinstraße | reines Dessertmenü, gehobenes Preisniveau |
| Facil | 2 | Potsdamer Straße 3, Tiergarten | U2/S Potsdamer Platz | gehobenes Zwei-Sterne-Niveau |
| Horváth | 2 | Paul-Lincke-Ufer 44A, Kreuzberg | U8 Schönleinstraße | gehobenes Zwei-Sterne-Niveau |
| Tim Raue | 2 | Rudi-Dutschke-Straße 26, Kreuzberg | U6 Kochstraße | Menüs im Bereich von etwa 258 bis 292 € |
| Nobelhart & Schmutzig | 1 | Friedrichstraße 218, Kreuzberg | U6 Kochstraße | Menüs im Bereich von rund 120 bis 215 € |
| Bandol sur Mer | 1 | Torstraße 167, Mitte | U8 Rosenthaler Platz | zwei Achtgang-Menüs, Hauptgerichte rund 26 bis 38 € |
Als Faustregel bewegen sich die großen Menüs 2026 je nach Haus etwa zwischen 120 und 350 € pro Person. Wer die Spitzengastronomie zu moderateren Preisen probieren möchte, findet eine Alternative im Bib Gourmand: Diese Michelin-Auszeichnung steht für gute Küche mit attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis. Berlin führt 2026 neun solcher Adressen, neu hinzugekommen sind das libanesische Byblos in Wilmersdorf und das georgische Salhino in Charlottenburg.
Der beste Weg zum Tisch: Reservierungsstrategien und ein Detail, das viele übersehen
Reservierung ist bei den gefragten Häusern Pflicht, spontane Besuche funktionieren hier kaum. Für das Rutz gilt ein Vorlauf von sechs bis acht Wochen als realistisch, und wenn das Menü ausgebucht ist, führt die eigene Weinbar Rutz im selben Gebäude mit eigenem Stern und identischem Weinkeller aus der Sackgasse. Beim Cookies Cream lohnt der Hinweis, dass der Eingang im Hinterhof liegt und sich nur per Klingel öffnet, ein Umstand, der Erstbesucher regelmäßig kurz ratlos zurücklässt.
Aufmerksamkeit verdient 2026 eine strukturelle Änderung des Guide. Den 2020 eingeführten Grünen Stern für nachhaltiges Wirtschaften lässt Michelin auslaufen und ersetzt ihn durch das redaktionelle Format „Mindful Voices“, das keine formelle Auszeichnung mehr ist. Für Berliner Häuser, die stark über Regionalität und Nachhaltigkeit definiert sind, etwa das Nobelhart & Schmutzig oder das Horváth, verschiebt sich damit die Art, wie dieses Engagement im Guide sichtbar wird. Die roten Sterne bleiben davon unberührt. Wer die vollständige, offizielle Liste einsehen möchte, findet sie beim Guide Michelin sowie in der Restaurantübersicht auf berlin.de.
Häufige Fragen zu den Sterne-Restaurants in Berlin
Wie viele Sterne-Restaurants hat Berlin 2026?
Der Guide Michelin Deutschland 2026 führt 19 Berliner Restaurants mit mindestens einem roten Stern, zusammen 25 Sterne. Das sind drei Restaurants weniger als 2025.
Welches ist das einzige Drei-Sterne-Restaurant in Berlin?
Das Rutz in der Chausseestraße 8 in Mitte ist Berlins einziges Drei-Sterne-Restaurant und hält diese Höchstwertung seit 2020.
Welche Berliner Restaurants haben zwei Michelin-Sterne?
Zwei Sterne tragen 2026 das Coda Dessert Dining in Neukölln, das Facil am Potsdamer Platz, das Horváth in Kreuzberg und das Restaurant Tim Raue nahe dem Checkpoint Charlie.
Was kostet ein Menü im Berliner Sternerestaurant?
Je nach Haus und Gangzahl liegen die Menüs 2026 grob zwischen 120 und 350 € pro Person, die Weinbegleitung kommt in der Regel hinzu. Verbindlich sind die auf der jeweiligen Restaurant-Website angegebenen aktuellen Preise.
Welche Sterne-Restaurants in Berlin sind vegetarisch oder vegan?
Das Cookies Cream Unter den Linden kocht vegetarisch, das Bonvivant in Schöneberg stellt Gemüse in den Mittelpunkt und bietet vegane Menüs. Auch im Horváth spielt Gemüse die Hauptrolle.
Wie früh muss ein Tisch reserviert werden?
Bei den gefragtesten Häusern wie Rutz, Tim Raue oder Nobelhart & Schmutzig ist eine Reservierung mehrere Wochen im Voraus ratsam. Für das Rutz gelten sechs bis acht Wochen als realistischer Vorlauf.