Prof. Dr. Günter M. Ziegler, Präsident der Freien Universität Berlin und Mathematiker

Prof. Dr. Günter M. Ziegler. Foto: Kay Herschelmann, FU Berlin
Prof. Dr. Günter M. Ziegler. Foto: Kay Herschelmann, FU Berlin

22.08.2018: Kein Mann für halbe Sachen
„Was ich mache, mache ich ganz“, betont Professor Günter M. Ziegler, der im Mai 2018 zum Präsidenten der Freien Universität Berlin gewählt wurde und Anfang Juli das neue Amt angetreten hat. Für die nächsten vier Jahre hat er die Herausforderung angenommen, sich ganz dieser „200-Prozent-Aufgabe“ zu stellen und sie erfolgreich, im Sinne seiner Universität, zu erfüllen. Ziegler folgt dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Peter-André Alt, der nach zwei Amtszeiten als Präsident der Freien Universität an die Spitze der Hochschulrektorenkonferenz wechselte.

Steiler Aufstieg
Günter Ziegler wurde im Jahr 1963 in München als zweitältester von fünf Brüdern in ein literarisch-musisch geprägtes Elternhaus geboren. Seine schon frühe Begeisterung für die Mathematik führte ihn auf ein naturwissenschaftlich ausgerichtetes Gymnasium, das er bereits als junger Schüler erfolgreich in bundesweiten Mathematik-Wettbewerben und bei „Jugend forscht“ vertreten hat. „Mit der Mathematik habe ich schon früh das konzentrierte Lernen und Arbeiten trainiert – und das kommt mir auch noch heute zugute“, erklärt der frisch ernannte Präsident.

So wundert es kaum, dass er direkt nach dem Mathematik-Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität München im Jahr 1987 in den USA, in Cambridge, am Massachusetts Institute of Technology (MIT) promoviert wurde. Zurück in Deutschland folgte eine vierjährige Assistententätigkeit in Augsburg bei Prof. Martin Grötschel, dem späteren Präsidenten des Zuse-Instituts Berlin (siehe auch Köpfe & Karrieren-Porträt Martin Grötschel) und heutigem Präsidenten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW).

Nach einem Forschungsaufenthalt in Stockholm wechselte Ziegler 1992 auch an das Zuse-Institut. Im Jahr 1992 habilitierte er sich an der Technischen Universität Berlin, wo er ab 1995 als Professor für Mathematik forschte und lehrte. Im Jahr 2011 wurde Günter M. Ziegler an die Freie Universität Berlin berufen auf eine Professur mit fachlichem Schwerpunkt im Bereich der Diskreten Geometrie. Am Auf- und Ausbau der Berlin Mathematical School (BMS), einer von den drei großen Berliner Universitäten gemeinsam getragenen internationalen Graduiertenschule, wirkte er maßgeblich mit. Seit 2017 hat er auch eine Honorarprofessur an der TU Berlin inne.

Discrete Geometry Group. Foto: Kay Herschelmann. Ausschnitt RMSW
Discrete Geometry Group. Foto: Kay Herschelmann. Ausschnitt RMSW

Für seine herausragende Arbeit in der Wissenschaft wurde Ziegler mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter auch der wichtigste Forschungsförderpreis in Deutschland, der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Berliner Wissenschaftspreis. Seine Bücher, die in viele Sprachen übersetzt wurden, erzählen Geschichten aus der Welt der Mathematik. Nicht von ungefähr wird er in den Medien gern als „Deutschlands smartester Mathematikprofessor" oder als „Popstar der Mathematik“ bezeichnet. Günter Ziegler engagiert sich auch außerhalb der praktischen Forschung und Lehre für die Wissenschaft und Mathematik – er hatte bereits vielfältige anspruchsvolle Leitungs- und Gremientätigkeiten übernommen, die vom Vorstandsmitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften bis zur Präsidentschaft der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) reichen.

Herausragender Wissenschaftler – vermittlungsstarker Präsident

Ziegler ist für seine unkonventionellen und abwechslungsreichen Lehrmethoden bekannt und geschätzt – und in der Wissenschaft bestens vernetzt. Sein Kommunikations- und Vermittlungsgeschick, das er im Laufe seiner Tätigkeiten vielfach bewiesen hat, aber auch seine offene Art, die beim Gegenüber keine Schwellenängste aufkommen lässt, wird ihm auch im Rahmen seiner neuen Aufgabe zugutekommen.
Nach nur kurzer Einarbeitungszeit hat der neue Präsident bereits die dringlichen Aufgaben und Ziele vor Augen. Im Präsidenten-Büro rät dazu vom Flipchart aus Ernest Hemingway: „It is better to be lucky. But I would rather be exact. Then when luck comes you are ready.”

Foto: BerlinUniversityAlliance
Foto: BerlinUniversityAlliance

Herausforderungen und Ziele
Eine der ersten wichtigen Aufgaben für Ziegler ist die vielbeachtete Exzellenzstrategie. In dem Universitätswettbewerb des Bundes und der Länder bewerben sich erstmals im Verbund, gemeinsam mit der Freien Universität Berlin, die Technische Universität, die Humboldt-Universität und die Charité-Universitätsmedizin Berlin. Bis zu 28 Millionen Euro Fördermittel pro Jahr locken dabei, die eine überzeugende Bewerbung voraussetzen. Ende September 2018 wird zunächst bekanntgeben, welche der neun eingereichten Berliner Anträge für Exzellenzcluster im Rahmen des Wettbewerbs künftig gefördert werden.

Und dann sind da die vielen anderen Themen, denen sich der Präsident in seiner Amtszeit stellen will, um diese „besondere, da Freie Universität“ mit Leuchtturmfunktion in ihrer Vielfalt und Breite weiter voranzubringen. „Leuchttürme sollen weit sichtbar sein und die Landschaft gut ausleuchten“, betont Ziegler.Dabei müsse wissenschaftsgestützt beispielsweise in die Zukunft der Universitätsmedizin investiert und an den bereits bestehenden zahlreichen internationalen Partnerschaften und Kontakten gearbeitet werden. Dazu zählt auch das FUBIC (Business and Innovation Center next to Freie Universität Campus), ein für die Universität, den unternehmerischen Nachwuchs und den Bezirk gleichermaßen chancenreiches Projekt.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller gratuliert dem neuen Präsidenten Günter M. Ziegler zum Amtsantritt am 6. Juli 2018. Foto: Bernd Wannenmacher, FU Berlin
Michael Müller gratuliert Günter M. Ziegler zum Amtsantritt am 6. Juli 2018. Foto: Bernd Wannenmacher

Bereiche wie die Mathematik sollen an der Freien Universität durch neue Studienkonzepte sichtbarer gemacht werden, damit sich Studentinnen und Studenten noch vor Studienbeginn ein genaueres Bild ihres gewählten Studienfachs machen können – ein Punkt in der Lehrerausbildung, den Präsident Ziegler angesichts des akuten Lehrermangels für besonders wichtig hält. Diesem Thema schließe sich die akute Wohnraumsituation für Studierende an, die auch im Bezirk zu verbessern sei, wofür Ziegler sich stark machen will.

Und noch etwas möchte Präsident Ziegler angesprochen sehen: „Die Agenda muss das Thema Selbstständigkeit in den Vordergrund stellen, um die jungen Studentinnen und Studenten darin zu bestärken, ihre Potentiale für das Entrepreneurship zu entdecken.“

Bei diesen hochkarätigen Zielen, die sich der neue Präsident mit großer Begeisterung setzt, dürfte ihm nicht mehr viel Freizeit für das Fahrradfahren, den gelegentlichen Marktbummel unweit seines Schöneberger Zuhauses oder mathematische Problemlösungen bleiben. Denn für seine Ziele wird Präsident Günter Ziegler, der keine halben Sachen macht, ganzen Einsatz zeigen.


Text: Jacqueline Lorenz

Kontakt und weitere Informationen unter:

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E-Mail: praesident(at)fu-berlin.de


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