Von Brancusi über Abramović bis zum Impressionismus – Berlins Museen und Galerien bieten 2026 ein beispiellos dichtes Programm. Welche Ausstellungen Sie nicht verpassen dürfen.
Berlins Museumslandschaft präsentiert sich 2026 in einer Dichte und Qualität, die selbst für die verwöhnte Hauptstadt außergewöhnlich ist. Internationale Blockbuster-Ausstellungen, längst überfällige Retrospektiven und archäologische Sensationsfunde bilden ein Programm, das Berlin einmal mehr als eine der bedeutendsten Kulturmetropolen Europas positioniert. Von der gläsernen Halle der Neuen Nationalgalerie über die historischen Räume der Museumsinsel bis zum Gropius Bau – die Bandbreite reicht von 12.000 Jahre alten Monumentalbauten bis zu den provokantesten Performances der Gegenwart. Dieser umfassende Guide gibt einen Überblick über die wichtigsten Ausstellungen, die 2026 in Berlin zu sehen sind – mit allen Daten, Orten und Hintergründen.
Constantin Brancusi in der Neuen Nationalgalerie
Wann: 20. März – 9. August 2026 Wo: Neue Nationalgalerie, Potsdamer Straße 50, 10785 Berlin
Die wohl spektakulärste Ausstellung des Jahres findet in der ikonischen Mies-van-der-Rohe-Halle am Kulturforum statt. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz zeigt in enger Zusammenarbeit mit dem Pariser Centre Pompidou den bislang umfangreichsten Überblick über das Schaffen des rumänisch-französischen Bildhauers Constantin Brancusi (1876-1957). Mit mehr als 150 Exponaten – darunter Skulpturen, Fotografien, Filme und bislang selten gezeigte Archivmaterialien – ist es die erste groß angelegte Retrospektive in Deutschland seit über fünf Jahrzehnten.
Zu den gezeigten Hauptwerken zählen Ikonen der Skulpturgeschichte wie „Der Kuss“, „Vogel im Raum“, „Schlummernde Muse“ und die berühmte „Unendliche Säule“. Ein besonderes Highlight stellt die Teilrekonstruktion von Brancusis legendärem Pariser Atelier dar, das der Künstler 1957 dem französischen Staat vermachte und das erstmals seit den 1950er Jahren außerhalb von Paris gezeigt wird.
Die Ausstellung steht unter der gemeinsamen Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem rumänischen Präsidenten Nicușor Dan – ein deutliches Zeichen der kulturpolitischen Bedeutung dieser Schau. Kuratiert wird sie von Klaus Biesenbach und Maike Steinkamp (Neue Nationalgalerie) sowie Ariane Coulondre und Valérie Loth (Centre Pompidou). Ein umfangreicher Katalog erscheint im Distanz Verlag. Ermöglicht wird die Ausstellung durch die Freunde der Nationalgalerie.
Marina Abramović: Balkan Erotic Epic im Gropius Bau
Wann: 15. April – 23. August 2026 Wo: Gropius Bau, Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin
Der Hype ist real: Zur Eröffnung Mitte April bildete sich eine mehr als 400 Meter lange Schlange vom Haupteingang des Gropius Bau bis zum S-Bahnhof Anhalter Bahnhof. Marina Abramović, eine der einflussreichsten Performancekünstlerinnen unserer Zeit, zeigt mit „Balkan Erotic Epic. The Exhibition“ ihre erste große Einzelausstellung in Berlin seit den Neunzigerjahren.
Die Schau vereint historische Werke und neue Arbeiten und zeichnet Abramovićs anhaltendes Interesse an Ritualen, Erotik, Tod und dem Körper als Ort politischen Widerstands nach. Ausgehend von der Folklore des Balkans – der Region, in der die Künstlerin aufwuchs – verwebt die Ausstellung filmische und skulpturale Installationen mit Live-Performances.
Anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Berliner Festspiele wird „Balkan Erotic Epic“ in zwei Teilen präsentiert: Nach der Ausstellung im Gropius Bau eröffnet im Oktober 2026 eine mehrstündige Bühnenproduktion im Haus der Berliner Festspiele. Die Ausstellung thematisiert Kriegsereignisse, rassistische Gewalt und zeigt Selbstverletzung sowie sexuell explizite Handlungen – der Gropius Bau weist ausdrücklich auf den herausfordernden Charakter der Inhalte hin. Kuratiert wird die Schau von Agnes Gryczkowska und Jenny Schlenzka, Direktorin des Gropius Bau.
Cassirer und der Durchbruch des Impressionismus
Wann: 22. Mai – 27. September 2026 Wo: Alte Nationalgalerie, Bodestraße 1-3, 10178 Berlin (Museumsinsel)
Die Alte Nationalgalerie würdigt 2026 mit Paul Cassirer (1871-1926) einen der wichtigsten Kunsthändler seiner Zeit – ein doppelter Anlass: der 100. Todestag Cassirers und das 150-jährige Jubiläum des Galeriegebäudes auf der Museumsinsel. Cassirer trug mit seiner Berliner Galerie und mehreren hundert Ausstellungen maßgeblich dazu bei, Künstler wie Edgar Degas, Paul Cézanne, Édouard Manet, Claude Monet, Auguste Renoir und Vincent van Gogh im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen. Zahlreiche Schlüsselwerke fanden durch seine Vermittlung Eingang in die Bestände der Nationalgalerie.
Die Ausstellung zeigt entlang von über 120 herausragenden Werken des Impressionismus und der Klassischen Moderne das beeindruckende Engagement Cassirers. Neben der Vermittlung französischer Kunst setzte er sich für den deutschen Impressionismus und die Berliner Secession ein – mit Künstlern wie Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt. Auch die junge Avantgarde fand mit Ernst Barlach, Ernst Ludwig Kirchner und Paula Modersohn-Becker Eingang in sein Galerieprogramm. Kuratiert von Josephine Klinger, ermöglicht durch die Freunde der Nationalgalerie.
Göbeklitepe: 12.000 Jahre alte Monumente auf der Museumsinsel
Wann: 6. Februar – 19. Juli 2026 Wo: James-Simon-Galerie, Museumsinsel, Bodestraße 1, 10178 Berlin
Noch bevor Stonehenge entstand oder die ersten Pyramiden gebaut wurden, errichteten Jäger und Sammler auf dem Gebiet des heutigen Türkiye monumentale Anlagen von erstaunlicher Komplexität. Die Sonderausstellung „Gebaute Gemeinschaft: Göbeklitepe, Taş Tepeler und das Leben vor 12.000 Jahren“ in der James-Simon-Galerie bringt erstmals spektakuläre archäologische Funde aus dem UNESCO-Weltkulturerbe Göbeklitepe und weiteren Fundorten des Forschungsprojekts „Taş Tepeler“ nach Berlin – viele davon sind zum ersten Mal überhaupt im Ausland zu sehen.
Gewaltige Statuen, massiv figürlich verzierte T-Pfeiler von bis zu sechs Metern Höhe und Monumentalgebäude zeugen von einer Epoche, die lange unterschätzt wurde. Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit zwischen dem Vorderasiatischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin, dem Archäologischen Museum Şanlıurfa und der Universität Istanbul erarbeitet, unter Mitwirkung des Deutschen Archäologischen Instituts. Ergänzt werden die archäologischen Funde durch zeitgenössische Fotografie der spanischen Künstlerin Isabel Muñoz. Ein dreisprachiger Begleitband in Deutsch, Türkisch und Englisch vertieft die Forschungsergebnisse.
Ruin und Rausch: Berlin 1910-1930
Wann: 25. April 2026 – 3. Januar 2027 Wo: Neue Nationalgalerie (Sammlungsgeschoss), Potsdamer Straße 50, 10785 Berlin
Parallel zur Brancusi-Schau eröffnet im Sammlungsgeschoss der Neuen Nationalgalerie eine Ausstellung, die das turbulente Berlin der Zwischenkriegszeit lebendig macht. „Ruin und Rausch“ zeigt rund 45 Werke aus der eigenen Sammlung der Klassischen Moderne, die zwischen 1910 und 1930 entstanden – einer Epoche, in der Exzess und Armut, Emanzipation und Extremismus in der rasant wachsenden Metropole Hand in Hand gingen.
In drei Kapiteln entfaltet sich das Großstadtleben jener Jahre: Das erste widmet sich der Dynamik der wachsenden Metropole mit Blick auf Architektur, Verkehr und das ausschweifende Nachtleben. Das zweite beleuchtet die sozialen Abgründe und Entbehrungen der Arbeiterklasse. Das dritte Kapitel stellt die urbane Frau ins Zentrum – zwischen Freiheitsdrang, Selbstbestimmung, queerem Leben und Prostitution.
Zu den Hauptwerken zählen Ernst Ludwig Kirchners „Potsdamer Platz“ (1914), George Grosz‘ „Grauer Tag“ (1921), Otto Dix‘ „Bildnis der Tänzerin Anita Berber“ (1925) und Lotte Lasersteins melancholisches „Abend über Potsdam“ (1930). Ergänzt werden die Gemälde durch Stummfilmausschnitte aus Fritz Langs „Metropolis“ (1927) und Walther Ruttmanns „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ (1927). Die Ausstellung wird kuratiert von Uta Caspary und Irina Hiebert Grun.
Graciela Iturbide: Eyes to Fly With im C/O Berlin
Wann: 7. Februar – 10. Juni 2026 Wo: C/O Berlin, Amerika-Haus, Hardenbergstraße 22-24, 10623 Berlin
Das C/O Berlin im Amerika-Haus präsentiert die erste große Retrospektive der mexikanischen Fotografin Graciela Iturbide in Berlin. In Südamerika zählt sie zu den bedeutendsten Fotokünstlerinnen überhaupt – in Deutschland ist sie bislang überraschend wenig bekannt. Die zusammen mit der Künstlerin konzipierte Ausstellung zeigt rund 250 Werke aus fünf Jahrzehnten und umfasst die gesamte Bandbreite ihres Schaffens: indigene Gemeinschaften Mexikos, Rituale, nomadische Lebensweisen, mexikanisch-amerikanische Subkulturen, präkoloniale und koloniale Einflüsse, Spiritualität und weibliche Selbstbestimmung.
Weitere wichtige Ausstellungen 2026 in Berlin
Neben den großen Highlights bietet Berlin 2026 zahlreiche weitere sehenswerte Ausstellungen:
Shilpa Gupta im Hamburger Bahnhof – Die indische Künstlerin zeigt eine Einzelausstellung mit dem monumentalen Werk „Truth“, das Sprache, Macht und Kontrolle thematisiert.
Klara Lidén: „Kunstwerke“ im KW Centre for Contemporary Art (21. Februar – 10. Mai 2026) – Die in Berlin lebende Künstlerin präsentiert auf drei Etagen eine umfassende Werkschau mit Performances, Skulpturen, Interventionen und Videos von den frühen 2000er Jahren bis heute.
Gabriele Stötzer im Gropius Bau (ab Juni 2026) – Unter dem Titel „Dabei sein und nicht schweigen“ zeigt der Gropius Bau die bislang größte institutionelle Einzelausstellung der DDR-Künstlerin, die sich seit über fünf Jahrzehnten mit Gerechtigkeit, Selbstbestimmung und Geschlecht auseinandersetzt.
Pierre Huyghe in der Halle am Berghain (2026) – Die LAS Art Foundation präsentiert eine Auftragsarbeit des französischen Künstlers, die KI, Quantentechnologie und Sinnlichkeit in einer multisensorischen Installation zusammenführt.
Sophie Calle im Hamburger Bahnhof (13. November 2026 – 2. Mai 2027) – Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums hat die französische Konzeptkünstlerin eine eigene Ausstellung für das Haus konzipiert.
Dschingis Khan im Museum für Vor- und Frühgeschichte (ab 21. Oktober 2026) – Das Museum stellt Dschingis Khan als zentrale Herrscherfigur in den Fokus und beleuchtet archäologisch die hierzulande kaum bekannte Welt der Mongolen.
Fujiko Nakaya: Nebelskulptur (30. April – 25. Oktober 2026) – Wegen des großen Publikumsinteresses kehrt die ortsspezifische Nebelskulptur der japanischen Künstlerin in den Skulpturengarten der Neuen Nationalgalerie zurück.
Carrie Mae Weems im C/O Berlin (12. September 2026 – 3. Februar 2027) – Umfassende Werkschau der einflussreichen US-Fotografin mit Arbeiten von frühen Serien bis zu aktuellen Projekten über schwarze Glaubensgemeinschaften.
Porträtkunst in der Gemäldegalerie (16. Oktober 2026 – 14. März 2027) – Neu gedachte Dialoge innerhalb der Porträtkunst, die historische und zeitgenössische Perspektiven zusammenbringen.
Gallery Weekend und Berlin Art Week 2026
Neben den großen Museumsausstellungen bietet Berlin 2026 zwei zentrale Fixpunkte im internationalen Kunstkalender.
Das Gallery Weekend Berlin findet vom 1. bis 3. Mai 2026 statt: Über 50 Galerien öffnen ihre Türen und präsentieren zeitgenössische Positionen in einzigartiger Atmosphäre. In der Neuen Nationalgalerie begleiten die „Gallery Weekend Art Talks“ das Wochenende mit einem kostenfreien Programm aus Gesprächen und Panels mit internationalen Gästen.
Die Berlin Art Week 2026 folgt vom 9. bis 13. September und markiert den Herbstauftakt der Kunstsaison. Ein besonderes Highlight dürfte die Einzelausstellung von Maurizio Cattelan in der Neuen Nationalgalerie werden – dem diesjährigen Gewinner des Preises der Nationalgalerie wird erstmals eine Solo-Schau in Deutschland gewidmet.
Neueröffnungen und Jubiläen
Auch institutionell bewegt sich 2026 einiges in Berlin. Das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung am Lützowufer öffnet im September 2026 zum Tag des offenen Denkmals erstmals nach umfassender Sanierung seine Türen. Ein spektakulärer 20 Meter hoher Museumsturm erweitert die Ausstellungsfläche auf rund 2.000 Quadratmeter – fast das Dreifache der bisherigen Fläche. Die vollständige Wiedereröffnung ist für 2027 geplant.
Berlin feiert zudem 2026 das 20-jährige Jubiläum als „UNESCO City of Design“ – ein Titel, den die Hauptstadt seit 2006 trägt. Mit mehr als 30.000 Kreativunternehmen ist Berlin ein international bedeutender Designstandort. Das Jüdische Museum Berlin begeht sein 25-jähriges Bestehen mit einer großen Jubiläumsausstellung, die eine bessere Zukunft jenseits der gegenwärtigen Realität entwirft.