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Startup MoKi Analytics GmbH – dem Biofilm auf der Spur

PD Dr. Annette Moter und Dr. Judith Kikhney | Foto: © MoKi
PD Dr. Annette Moter und Dr. Judith Kikhney | Foto: © MoKi

10. Juni 2020: Die Wissenschaftlerinnen PD Dr. Annette Moter und Dr. Judith Kikhney identifizieren, quantifizieren und analysieren die Aktivität von Mikroorganismen
Dr. Annette Moter, Fachärztin für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, und die Biologin und Biophysikerin Dr. Judith Kikhney vom Biofilmzentrum am Institut für Mikrobiologie und Infektionsimmunologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin bieten mit ihrem 2017 von der Charité ausgegründeten Startup Dienstleistungen und Produkte zum Nachweis von Mikroorganismen mittels der FISH-Methode (Fluoreszenz in situ Hybridisierung) an. - Mit Betriebsstätten-Sitz am Campus Benjamin Franklin in Berlin-Lichterfelde, unweit des sich im Bau befindenden FUBIC-Innovationszentrums.

Dabei identifizieren und quantifizieren die beiden Gründerinnen vom Berliner Südwesten aus nicht nur mikrobielle Lebensgemeinschaften - sogenannte Biofilme - sondern analysieren darüber hinaus deren Aktivität und ermitteln die Wirksamkeit antimikrobieller Substanzen.

Nach über zehnjähriger interdisziplinärer Forschungsarbeit ist den beiden Wissenschaftlerinnen und ihrem rund zehnköpfigen Team mit der MoKi Analytics GmbH innerhalb von nur drei Jahren ein einzigartiger Technologietransfer hin zur Marktreife geglückt, der - nicht nur in Zeiten von Covid-19 - Hoffnung auf schnellere Diagnosen und gezieltere Therapien bakterieller Infektionen macht.

Die gebürtige Kölnerin PD Dr. med. Annette Moter, Forschungsleiterin bei der MoKi Analytics GmbH, studierte in Köln Medizin, bevor sie sich in Bonn auf die diagnostische Mikrobiologie spezialisierte.
Vor über 25 Jahren kam sie an das Mikrobiologische Institut der Charité, wo sie die Bereiche molekularbiologischer Erregernachweis und Diagnostik mit aufbaute. Die Beantwortung der Frage nach Lokalisation und Übertragung von Bakterien im Körper bestimmten ihre Arbeit, ohne dabei den Bereich der translationalen Medizin außer Acht zu lassen. Ziel der Arbeit war stets, wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Grundlagen- und präklinischen Forschung zeitnah in klinische Studien und auf den Menschen zu übertragen. - Ein sinnvoller Technologietransfer, den Dr. Moter auch als „kontinuierliche Pipeline“ von Methoden bezeichnet, die verfügbar und anwendbar gemacht werden. Die daraus entstandenen Ergebnisse werden anschließend für alle Forscher publiziert und zur wirtschaftlichen Verwertung der Forschungs-GmbH übergeben.

2010 verfasste Dr. Moter zum Erlangen der Lehrtätigkeit für das Fach Experimentelle Mikrobiologie an der Charité ihre Habilitationsarbeit zum Thema „In situ Verfahren zum molekularbiologischen Erregernachweis und zur Analyse medizinisch relevanter Biofilme“.

MoKi-Geschäftsführerin Dr. Judith Kikhney wurde in Berlin geboren und studierte Biologie, Biophysik und Biochemie an Universitäten in Hamburg, Aachen, Pennsylvania (USA) und Frankfurt/Main. Sie promovierte beim Pharmaunternehmen Merck in Darmstadt und kehrte vor zehn Jahren für die Biofilm-Forschung in ihre Heimatstadt Berlin zurück.

Foto: © MoKi
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Deutschlands erste translationale Biofilm-Forschung sitzt im Berliner Südwesten
An der Charité lernte Dr. Kikhney am Mikrobiologischen Institut Dr. Moter und ihre Arbeitsgruppe kennen.
Die Wissenschaftler, darunter Biotechnologen, Bioinformatiker, Biochemiker und Veterinäre,  beschäftigten sich mit der Darstellung und Erforschung von Architektur und Funktionalität von Biofilmen.

Vor sechs Jahren bauten sie dazu das Biofilmzentrum am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) auf. Ihr Ziel: Eine klinik- und damit praxisnahe Grundlagenforschung an einem Hochleistungszentrum zu etablieren, um Biofilme mittels innovativer Laborverfahren zu entschlüsseln und therapeutische Konzepte zur Bekämpfung von Biofilm-Infektionen zu entwickeln. – Große Resonanz aus Fachkreisen auf diese Forschungsmethodik und Auszeichnungen für ihre Innovation bestätigten den hohen Bedarf an daraus resultierenden therapeutischen Konzepten.

Dr. Moter betont: „Unsere Arbeit ist interdisziplinär grenzüberschreitend: Wir bewegen uns damit zwischen Pathologie, Materialwissenschaften, Molekular- und Mikrobiologie.“
Deutschlands erstes Labor zur translationalen Biofilmforschung zog in angemietete Räume im Charité-Campus Benjamin Franklin.

Um die Forschungsmethoden und -ergebnisse weiter auszubauen und wirtschaftlich nutzen zu können, gründeten Dr. Moter und Dr. Kikhney 2017 als Startup die MoKi Analytics GmbH, mit Fördermitteln aus dem Programm EXIST-Forschungstransfer und betreut von der Charité und Profund Innovation.

Foto: © MoKi
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Innovative Diagnostik garantiert höchstes Niveau – schnell, sicher, einfach
Eine schnelle Diagnose und gezielte Therapie bei bakteriellen Infektionen rettet Leben. Dabei ist Ausgangspunkt der meisten Infektionen ein Biofilm als niedergelassene Lebensgemeinschaft von Mikroorganismen wie Bakterien und Pilzen in und auf dem Körper. Diese Bakterien als Normalflora gehören zu uns und sind für uns lebenswichtig. Allerdings können sie lebensgefährlich werden, wenn das Immunsystem eines kranken oder geschwächten Organismus´ sie nicht mehr abwehren kann.
Um Biofilme jedoch konkret im Patientenmaterial nachzuweisen, fehlen Methoden in der Routinediagnostik.

Die neue diagnostisch aussagestarke Methodik geht auf PD Dr. Moter und ihr Team zurück:
Mithilfe von FISH werden Biofilme erstmals routinemäßig mikroskopisch sicht- und nachweisbar. Die an der Infektion beteiligten Bakterien werden so geortet und identifiziert. Und auch eine Unterscheidung von Kontamination einer Probe und tatsächlicher Infektion im Gewebe macht FISH möglich. Daraus kann zeitnah eine passgenaue Therapie eingeleitet werden. So dienen speziell entwickelte Herz-Panel zur Diagnose lebensbedrohender Biofilm-Infektionen der Herzklappen und Oral-Panel der Diagnose von Parodontitis und Entzündungen von Zahnimplantaten.

Darüber hinaus bietet die MoKi Analytics die Wirksamkeitsmessung von antimikrobiellen Substanzen gegen Biofilme an, wie z. B. auf beschichteten Implantaten oder medizinischen Oberflächen.
Die MoKi Analytics GmbH bietet Praxen, Kliniken etc. sowohl Dienstleistungen als auch Produkte zum Nachweis von Mikroorganismen mittels FISH an, darunter Fixierlösung für entnommene Biofilmproben.

Zukunftsvision an Steglitzer Standort
Die MoKi Analytics GmbH arbeitet an einem überschaubaren Wachstum: Auf keinen Fall werde die Qualität durch Massenaufträge gefährdet, sind sich die Wissenschaftlerinnen einig:
 „Die für unsere Auswertungen bekannte hohe Qualität zu halten, ist uns besonders wichtig.“ Noch hat bei der Durchführung der Biofilm-Untersuchungen das junge Unternehmen das letzte Wort. Doch das strebt an, mittelfristig auch andere Labore deutschlandweit an Selbstnachweise heranzuführen. Eine schrittweise Erweiterung seines Aktionsradius´ scheint da sinnvoll.

Deutschland bietet reizvolle Voraussetzungen: Entgegen anderen Ländern bietet es seinen Laboren die rechtliche Grundlage für die Durchführung von sogenannten in-house-Tests für seltene Infektionsarten und ermöglicht damit hohe Untersuchungs-Flexibilität und schnelle Reaktionen auf Krankheits- und Infektionsereignisse.

Im Steglitzer Standort nahe klinischen Geschehens sehen die Wissenschaftlerinnen Dr. Moter und Dr. Kikhney eine gute Chance für MoKi, sich erfolgreich weiterzuentwickeln. Dabei haben sie das nur wenige Minuten von ihrem derzeitigen Sitz am Charité-Campus entfernte FUBIC-Innovationszentrum im Blick, das sich derzeit noch im Bau befindet und auch Laborgebäude für ihrer Startup-Phase entwachsene Unternehmen vorsieht.

„Die Nähe zu anderen Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen und zu den Universitäten ist reizvoll. Wir können uns daher durchaus vorstellen, vom FUBIC aus weitere Unternehmensschritte zu machen“, erklären die erfolgreichen Gründerinnen zuversichtlich.


Text: Jacqueline Lorenz

Kontakt und weitere Informationen:

MoKi Analytics GmbH
Marienplatz 9
12207 Berlin

T +49 (0)30 425 524 226
info(at)moki-analytics.com

www.moki-analytics.com



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