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Prof. Dr. rer. nat. Tim Conrad, Bioinformatiker und Gruppenleiter „Medical Bioinformatics“ an der Freien Universität Berlin

Prof. Dr. rer. nat. Tim Conrad. | Foto: © Lorenz
Prof. Dr. rer. nat. Tim Conrad. | Foto: © Lorenz

02.10.2019: Die Mathematik macht´s möglich – vom sogenannten blutigen Finger – zum prägnanten Fußabdruck.
„In meinem Leben gab es viele glückliche Zufälle“, sagt Prof. Dr. Tim Conrad, der - von jeher interessiert an Wissenschaft und den Zusammenhängen des Lebens - mit seinem Team an präventiven Möglichkeiten zur Früherkennung von Krankheiten, wie zum Beispiel Krebs forscht. „Dabei ist die Mathematik unverzichtbar, um die im Vorfeld aus dem Blut gewonnenen sehr großen Datenmengen (Big Data) zu filtern sowie so genau wie möglich und zeitsparend auszuwerten“.

Was noch vor wenigen Jahren aus Prof. Conrads Forschung als „blutiger Fingerabdruck“ von sich reden machte, haben der Bioinformatiker und sein Team an der Freien Universität Berlin inzwischen bis hin zum „prägnanten Fußabdruck“ weiterentwickelt. Damit befindet sich die Gruppe von Wissenschaftlern auf bestem Weg zum Ziel der individuellen Krebsfrüherkennung und -prävention.

Nach dem Abitur zog es den vor den Toren Hamburgs im „Alten Land“ aufgewachsenen Tim Conrad nach einem Zwischenstopp in Buxtehude schnell zum Studium nach Berlin.

„Ich wollte nicht bloße Informatik studieren, Biologie sollte mit dabei sein“, erklärt Conrad. So suchte er an der Freien Universität Berlin das Dekanat am Fachbereich Mathematik und Informatik auf und erkundigte sich nach den Möglichkeiten – genau im richtigen Moment: Wenige Wochen später wurde erstmals an der FU der Studiengang Bioinformatik angeboten. Tim Conrad immatrikulierte sich und studierte in Berlin-Dahlem bis 2003. Nach dem Bachelor of Science in Bioinformatik ging er nach Australien an die renommierte Monash University in Melbourne, um dort  noch den Bachelor of Computer Science mit Auszeichnung zu machen. Zurück aus Australien schloss er 2005 an der Freien Universität Berlin mit dem Master of Science sein Studium in Bioinformatik ab.

Zuse Institut Berlin (ZIB) in Berlin-Dahlem. | Foto: © Zuse Institut Berlin
Zuse Institut Berlin (ZIB) in Berlin-Dahlem. | Foto: © Zuse Institut Berlin

Auf dem Weg in die Forschung
Wiederum mit Auszeichnung promovierte er wenig später mit neuen mathematischen Ansätzen für die Analyse von bio-medizinische Massendaten bei Christof Schütte, Professor für „Scientific Computing“ und seit 2015 Präsident des Zuse Institut für Informationstechnik Berlin (ZIB), (Siehe auch unter „Köpfe & Karrieren, Christof Schütte vom 30.8.2016).

Dies war ein weiterer glücklicher Zufall, der Tim Conrad sowohl dem benachbarten ZIB als auch seinen späteren medizinischen Forschungsgrundlagen näher bringen sollte.
„Prof. Schütte hat Visionen, sieht Trends und behält mit viel innerem Verständnis den wissenschaftlichen Überblick. Er ist ein exzellenter Wissenschaftler, der auch immer die Interdisziplinarität im Auge behält“, betont Tim Conrad, der bei ihm gelernt hat, Grundlagenforschung und angewandte Forschung erfolgreich zu verbinden.

Foto: © medicalbioinformatics.de, Fotomontage RMSW
Foto: © medicalbioinformatics.de, Fotomontage RMSW

Mit interdisziplinärer Forschung von reaktiver zu präventiver Medizin
An der Freien Universität Berlin übernahm Tim Conrad nach abgeschlossener Promotion die Leitung der Nachwuchsgruppe „Medical Bioinformatics“ und hält nun - ganz erfahrener Handballer - den Ball in Sachen Forschung fest in der Hand.

Mit seiner derzeit achtköpfigen, durch hohe Interdisziplinarität flexiblen   Forschungsgruppe gehören u.a. Doktoranden der Bereiche Physik, Biochemie, Mathematik und Bio-/Informatik. „An diese guten Leute heranzukommen, bestimmte auch immer wieder ein glücklicher Zufall“, sagt er, der häufig bei Vorträgen und Fachkonferenzen passende Teamkollegen kennenlernt.

Gemeinsam mit dem Projektteam forscht Prof. Conrad im Grenzgebiet zwischen Medizin, Biochemie, Informatik und Mathematik und begibt sich dabei auf Spurensuche. Mit dem Ziel, Krebserkrankungen bereits über erste molekulare Veränderungen und Hinterlassenschaften im Blut (sogenannte „blutige Fingerabdrücke“) zu erkennen, und eine darauf zugeschnittene, individuelle Therapie zu entwickeln und passgenau einzusetzen. Dabei entstehen riesige Datenmengen (sog. Big Data), die analysiert und eingeordnet werden müssen.

Allein die Zusammensetzung des Blutes ist unzähligen Schwankungen und Veränderungen - beispielsweise durch körpereigene Prozesse oder äußere Einflüsse - ausgesetzt. Dies zu berücksichtigen und richtig zu bewerten, verursacht enorme Datenmengen und bioinformatische Herausforderungen, die Prof. Conrads „blutigen Fingerabdruck“ inzwischen zum „Fußabdruck“ hat werden lassen. Nicht außer Acht lässt er dabei die ethischen Aspekte, die über die Verwendung der gewonnenen Daten maßgeblich mitentscheiden.
Am Institut für Mathematik der Freien Universität Berlin erfolgt im Wesentlichen die Grundlagenforschung. Weiterführende Kontakte und Zusammenarbeit bestehen u.a. zur Charité mit ihren Campi Charité Berlin, Benjamin Franklin (CBF) und Virchow-Klinikum (CVK), zum Helios Klinikum, dem Robert Koch-Institut und dem ZIB, deren umfassende Ressourcen das Conrad-Forschungsteam mit nutzt.

Foto: © Lorenz
Foto: © Lorenz

Dieser fruchtbare Austausch und die interdisziplinäre Vernetzung sind es auch, die Tim Conrad einst bewogen, in die Wissenschaft zu gehen. Er erklärt: „Es ist einfach cool, sich mit Gleichgesinnten objektiv auszutauschen, zu sehen, wo man steht, und daraus gemeinsam neue Erkenntnisse zu erlangen.“

Dazu sind Prof. Tim Conrad und seinem Forschungsteam im Berliner Südwesten beste Voraussetzungen gegeben für eine weiterhin erfolgreiche Forschung in Richtung Krebsfrüherkennung und Präventiv-Therapie.

 

Text: Jacqueline Lorenz

Kontakt und weitere Informationen unter:

Freie Universität Berlin
Medical bioinformatics Group
Prof. Dr. Tim Conrad
Arnimallee 6
14195 Berlin

Tel.: + 49 (30) 838 51445
E-Mail: conrad(at)math.fu-berlin.de

http://medicalbioinformatics.de/



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