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Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Generaldirektor und Kunsthistoriker Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr | Foto: © Lorenz
Generaldirektor und Kunsthistoriker Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr | Foto: © Lorenz

02.09.2019: „Wir stehen in der Pflicht, Geschichte für kommende Generationen lebendig zu halten.“
Seit dem 7. Februar 2019 ist der Kunsthistoriker Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr neuer Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG). Er ist Nachfolger von Prof. Dr. Hartmut Dorgerloh, der zum Generalintendanten des Humboldt Forum berufen wurde. Zwischenzeitlich war Heinz Berg, Direktor der Generalverwaltung, bis zum Arbeitsantritt von Vogtherr kommissarischer Leiter der Schlösserstiftung.

Häufig unterwegs in Schlössern, Gärten und Parks hat Generaldirektor Prof. Vogtherr sein Büro an der Allee nach Sanssouci in einem charmanten, in schlichter märkischer Architektur gehaltenen Landhausbau aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, das damals ein Hofgärtner bewohnte. Seinen vielschichtigen Amtsgeschäften geht der Kunsthistoriker von dort aus nach – nur wenige Schritte entfernt vom mit blattgoldenen Initialen des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. versehenen „Grünen Gitter“. Von Ludwig Ferdinand Hesse entworfen, ist das Gitter der prachtvolle Haupteingang zum Park Sanssouci.

Stationen
Geboren 1965 in Uelzen (Niedersachsen), kam Vogtherr zum Studium der Kunstgeschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Klassischen Archäologie an die Freie Universität Berlin. Auch Heidelberg und Cambridge waren seine Studienorte. An der FU Berlin promovierte er 1996 mit einer Arbeit zur „Gründung der Berliner Museen 1797 bis 1835“. „Das Studium weckte früh mein Interesse für Schlösser“, erinnert sich Christoph Martin Vogtherr. Er gehörte zur ersten Studentengeneration, der in den 90er Jahren bis dato unzugängliches historisches Material erstmals zur Verfügung gestellt werden konnte.

Anschließend dann die ersten Kontakte mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, bei der er ein zweijähriges Volontariat absolvierte; danach (1998) wurde er ihr Sammlungskustos für die Malerei der romanischen Schulen. Die nächsten Karrierestufen lagen außerhalb Berlins: 2007 als Kurator und späterer Direktor an der Londoner Wallace Collection und 2016-2018 als Direktor der Hamburger Kunsthalle. Von dort aus dann ging es zurück nach Berlin als neuer Generaldirektor der SPSG. Berlin ist ihm bestens vertraut, nicht nur der Berliner Südwesten und Potsdam, wo er heute wohnt, sondern auch das lebendige Pankow, seinem Wohnkiez in den 90er Jahren. So bringt er beste Voraussetzungen für sein neues Amt mit.

UNESCO-Welterbe „Pfaueninsel“ in Berlin-Wannsee. Das Schloss Pfaueninsel. | Foto: © A.Savin (Wikimedia Commons)
UNESCO-Welterbe „Pfaueninsel“ in Berlin-Wannsee. Das Schloss Pfaueninsel. | Foto: © A.Savin (Wikimedia Commons)

Pflege, Erforschung und Vermittlung von Kultur
Nach kurzer Einarbeitungszeit geht Vogtherr in medias res und stellt sich den großen Aufgaben und Herausforderungen der SPSG mit der ihm eigenen Kombination aus Strategie und Courage. Drei große Bereiche sind ihm wichtig. Zum Ersten die Umsetzung des 400 Mio. Euro umfassenden Sanierungsprogramms, zum Zweiten die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf Parks und Schlösser und zum Dritten der Bildungs- und Vermittlungsauftrag, das geschichtliche Erbe Preußens und danach zu erhalten und vor allem jüngeren Generationen spannend, anschaulich und mediengerecht zu vermitteln.

Im ersten Bereich können in den kommenden vier Jahren durch die Bewilligung des 400 Mio. Euro Sonderinvestitionsprogramms vom Bund sowie den Ländern Berlin und Brandenburg mehr als 20 Projekte umgesetzt und vor dem Verfall bewahrt werden, darunter zahlreiche Schlösser sowie historische Kulturbauten und -gärten.  “Ein wunderbares Ziel“, erklärt Vogtherr. Im Berliner Südwesten profitiert u. a. das dringend sanierungsbedürftige Schloss auf der Pfaueninsel davon. Es ist für die anstehenden Bauarbeiten bereits für Besucher gesperrt.
 
Vermittlungsbereich

Als Kunsthistoriker sieht er es als große Chance der Stiftung, den Besuchern eine Kombination aus der Geschichte Preußens und der Nachkriegsgeschichte anschaulich zu vermitteln. Sein Ziel ist dabei, dass Berlin, Potsdam und Brandenburg über die Kulturarbeit künftig näher zusammenrücken.

Zahlreiche Jubiläumsfeiern stehen in diesem und im kommenden Jahr an. Sie angemessen zu begehen, ist dem Generaldirektor wichtig:

Glienicker Brücke. | Foto: © RMSW, fotolia
Glienicker Brücke. | Foto: © RMSW, fotolia

So in 2019 die Veranstaltung auf und an der Glienicker Brücke anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls am 10. November. Auf Initiative des Regionalmanagement Berlin SÜDWEST findet im Schloss Glienicke eine festliche Matinee unter Mitwirkung der Spitzenpersönlichkeiten des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf, der Landeshauptstadt Potsdam und der SPSG statt. Zusätzlich zur Veranstaltung im Schloss Glienicke gibt es an diesem Tag ein vielfältiges Programm rund um die Glienicker Brücke, das zwischen der Staatskanzlei Brandenburg, dem Landtag Brandenburg, der Landeshauptstadt Potsdam und dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf (über das RMSW) abgestimmt wurde, u. a. mit Führungen entlang des Mauerwegs, Gedenken an der Nike 89-Granitsäule (Symbol des Sieges und des Friedens) sowie einem Foto-Wettbewerb.

Schloss Babelsberg und Blick auf die Glienicker Brücke. | Foto: © Leo Seidel/ SPSG, RMSW
Schloss Babelsberg und Blick auf die Glienicker Brücke. | Foto: © Leo Seidel/ SPSG, RMSW

2020 folgen weitere bemerkenswerte Jubiläen: Darunter ein Festakt zum Stiftungsgeburtstag „25 Jahre Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg“ im Charlottenburger Schloss sowie 30 Jahre UNESCO-Welterbestätte „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“  (mit der Pfaueninsel, dem Schloss Glienicke und den Parks Sanssouci, Babelsberg und dem Neuen Garten). Auch verspricht das 30-jährige Jubiläum des deutschen Nationalfeiertages (Tag der Deutschen Einheit) in Potsdam am 03. Oktober 2020 ein spannendes Festwochenende unter Beteiligung der SPSG.

Vorzumerken ist ein weiteres Highlight: Anlässlich der vor 75 Jahren in Potsdam mit der Potsdamer Konferenz neu geschriebenen Weltgeschichte wird am 01. Mai 2020 die Ausstellung „Potsdamer Konferenz 1945“ im Schloss Cecilienhof (Neuer Garten) eröffnet.

Verwaltungsbereich der Schlösserstiftung
Der Aufgabenbereich der SPSG ist vielfältig, umfangreich und mit rund 550 Mitarbeitern zu bewältigen. Zu Vogtherrs „Imperium“ zählen 30 Museumsschlösser, Bauten und Liegenschaften des 17. bis 20. Jahrhunderts in Potsdam, Brandenburg und Berlin, darunter Schloss Sanssouci, Schloss Charlottenburg, Jagdschloss Grunewald, die Pfaueninsel, Schloss Glienicke, Schloss Babelsberg und Schloss Rheinsberg. Außerdem 800 Hektar Parkanlagen, die unter Denkmalschutz stehen, 150 Denkmäler und rund 100.000 Einzelkunstwerke.

Ziele
Über die Nutzung der Bauten und historischen Kulturstätten nach der Sanierung macht sich der Generaldirektor bereits heute Gedanken. Sein Ziel sind steigende Besuchszahlen. Dazu plant er verstärkte Marketingaktivitäten und Imagekampagnen zur besseren Vernetzung der Schlösserstiftung.

Priorität für die Bau- und Sanierungsmaßnahmen haben derzeit 20 Projekte, darunter die Sanierung der Umgebung des Schloss Charlottenburg, die Dachsanierung des Neuen Palais, ein neues Skulpturen-Depot, die Sanierung der Römischen Bäder oder die Hüllensanierung des Orangerieschlosses.

Kopfzerbrechen bereitet der SPSG der oft rücksichtslose Umgang der Besucher mit den Kulturgütern: Da werden Pflanzen entwendet, Vandalismus und Müll nehmen zu. Ein wichtiges Ziel von Vogtherr ist hier, eine höhere Wertschätzung in der Gesellschaft für die historischen Gärten zu erreichen.

Zusätzlich sind die Auswirkungen der Wetterextreme und des Klimawandels wie Schädlingsbefall und abgängige Bäume eine Herausforderung für die Stiftung. So muss zum Beispiel häufiger gewässert werden. Daher sei mittelfristig zu überlegen, wie die Pflanzungen den veränderten Klimabedingungen besser angepasst werden können, erklärt Prof. Vogtherr. Doch sei der optische Aspekt der Gartendenkmäler nicht außer Acht zu lassen. Er ergänzt: „Wir haben hier mit den historischen Gärten ein 250 Jahre altes Stück Erde, für das genau dokumentiert ist, was wann, wie und wo gepflanzt worden ist. Den Klimaforschern können wir so für ihre naturwissenschaftliche Forschung allerbeste Grundlagen bieten.“

Schloss Glienicke. | Foto: © RMSW
Schloss Glienicke. | Foto: © RMSW

Zukunfts-Gartenensemble Glienicke-Babelsberg
Das Regionalmanagement Berlin SÜDWEST sieht sich als Beschleuniger, um Park und Schloss Gleinicke nicht zuletzt durch die zeitnahe Einrichtung eines Tourismus-Besucher-Zentrums (TBZ) noch attraktiver werden zu lassen. Gemeinsam mit dem Potsdam-Babelsberger Schlossgarten-Bereich präsentiert sich hier an der geschichtlich und optisch markanten Glienicker Brücke ein reizvoll zusammenhängendes Ensemble, das nicht nur als UNESCO-Welterbe mehr Anerkennung verdient. Verbindet es doch preußische Geschichte und die Nachkriegsgeschichte anschaulich und einmalig.

Als „große Chance für die SPSG“ versteht das auch Stiftungsdirektor Vogtherr, der diese zusammenhängende Geschichtslandschaft auf beiden Seiten der Glienicker Brücke zukünftig besser bestellt und deutlicher von den Besuchern wahrgenommen sehen möchte.

Die Geschichte für kommende Generationen lebendig zu halten – ein Ziel, für das auch das Regionalmanagement Berlin SÜDWEST der Schlösserstiftung seine Unterstützung für das Zukunfts-Gartenensemble zusagt.

Text: Jacqueline Lorenz

Kontakt und weitere Informationen unter:

Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr
Generaldirektor
Postfach 60 14 62
14414 Potsdam

Tel.: 0331.96 94-301
E-Mail: generaldirektion(at)spsg.de

www.spsg.de



Das „Regionalmanagement Berlin SÜDWEST“ (RMSW) ist im Rahmen des Wirtschaftsförderprogramms Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) je zur Hälfte aus Bundes- und Landesmitteln sowie einem entsprechenden Anteil des Bezirks Steglitz-Zehlendorf von Berlin finanziert.

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