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Dr. Lucy Wasensteiner, neue Direktorin der Liebermann-Villa

Dr. Lucy Wasensteiner | Foto: © Lorenz
Dr. Lucy Wasensteiner | Foto: © Lorenz
London 1938. Mit Kandinsky, Liebermann und Nolde gegen Hitler. | Foto: © www.art-service.de
London 1938. Mit Kandinsky, Liebermann und Nolde gegen Hitler. | Foto: © www.art-service.de

26.02.2020: Ein Lieblingsort, an dem Kunst auf tragische Zeitgeschichte trifft
Seit Februar 2020 hat die Liebermann-Villa am Wannsee mit der Kunsthistorikerin Dr. Lucy Wasensteiner eine neue Direktorin. Mit dem Haus ist sie bestens vertraut, zumal es zu ihrem „Lieblingsmuseum“ avancierte, als sie von 2015 bis 2018 als wissenschaftliche Volontärin und spätere Kuratorin hier arbeitete. Dabei gestaltete sie im Museums-Team entscheidend die sehr erfolgreichen Ausstellungen zu „Max Liebermann und Paul Klee. Gartenbilder“ (Juni bis Sept. 2018) und „London 1938 – Mit Kandinsky, Liebermann und Nolde gegen Hitler“ (Okt. 2018 bis Jan. 2019) mit, die in der Wannsee-Villa gezeigt wurden.

Nun ist die gebürtige Britin an diesen besonderen Ort zurückgekehrt. Als Expertin für deutsche Moderne Kunst, NS-Kulturpolitik und Provenienzforschung (Geschichte der Herkunft von Kunstwerken) freut sie sich auf eine spannende Zukunft in der Liebermann-Villa, die hochkarätige Kunst und ergreifende Zeitgeschichte auf  einzigartige Weise vereint und den Besucher fasziniert.

Dr. Lucy Wasensteiner - die inzwischen auch deutsche Staatsbürgerin ist - stammt aus North Yorkshire. Nach ihrem Jura-Studium in Bristol und Oxford arbeitete sie in einer Londoner Anwaltskanzlei, die sich mit dem Thema „Raubkunst“ beschäftigte. „Ich lernte dabei, hinter die Dinge zu blicken, ihre Herkunft zu erforschen und systematisch zu arbeiten“, erklärt die Direktorin.

Durch die Provenienzforschung fand Wasensteiner zur Kunstgeschichte. Ihren Master machte sie am Courtauld Institute of Art, University of London. Anschließend promovierte sie zur Londoner Ausstellung „Twentieth Century German Art“ aus dem Jahr 1938, die größte internationale Reaktion auf die NS-Aktion gegen die sogenannte Entartete Kunst.

Als DAAD-Stipendiatin führte ihre Forschungsarbeit Lucy Wasensteiner 2011 nach Berlin und an die Freie Universität Berlin. Hier arbeitete sie als Gaststudentin ein Jahr lang in der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ des Kunsthistorischen Instituts.

Von 2014 bis 2018 war Wasensteiner als Lehrbeauftragte am Courtauld Institute of Art, London, tätig. Die letzten zwei Jahre arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunsthistorischen Institut der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn beim Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftungslehrstuhl für Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart mit Schwerpunkt Provenienzforschung.

Die Liebermann-Villa wurde in Berlin schon bald zu Lucy Wasensteiners Lieblings-Museum, nicht zuletzt, weil für sie Max Liebermann „zu den bedeutendsten Vertretern des Impressionismus in Deutschland“ zählt.
Sie sieht - resultierend aus der tragischen Familiengeschichte der Liebermanns -  ihre Verantwortung in der Weiterentwicklung des Museums zum Liebermann-Kompetenzzentrum. Dafür wagt sie den Spagat zwischen blickerweiternder Vernetzung und regionalem, bürgernahem Bezug und erklärt: „Die Liebermann-Villa muss mit ambitionierten Ausstellungsprojekten und klugen Kooperationen internationalen Ansprüchen gerecht werden, ohne dabei die regionale Verwurzelung des Hauses aus dem Blick zu verlieren.“

Liebermann-Villa. | Foto: © Lorenz
Liebermann-Villa. | Foto: © Lorenz

Die Liebermann-Villa – Verfall und Rettung
1909 ließ Max Liebermann für seine Familie das „Schloss am See“ als Sommerresidenz am Wannsee inmitten eines 7.000 Quadratmeter großen Gartens bauen. Mehr als 200 Gemälde entstanden hier. Der nach Liebermanns Vorstellungen angelegte Bauern-, Nutz- und Heckengarten lieferte als „blühendes Arkadien im Süden Berlins“ die Motive für viele seiner Spätwerke.

Nach dem Tode Max Liebermanns zwangen 1940 die Nationalsozialisten seine Witwe Martha zum Verkauf des Anwesens. Martha Liebermann beging 1943, einen Tag vor ihrer geplanten Deportation in das KZ Theresienstadt, Suizid.

Nach dem Krieg erhielten die Erben die Villa zurück, die sie dann an das Land Berlin verkauften.
In der Folgezeit zogen ein Krankenhaus und ein Tauchclub auf das Anwesen, dessen Garten fast vollständig zerstört wurde.

Im Jahr 1995 schließlich gründete sich mit hohem bürgerschaftlichen Engagement und privatem Sponsoring die Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin und ließ das kunsthistorisch wertvolle Ensemble unter Denkmalschutz stellen. Die Gesellschaft renovierte die Villa und rekonstruierte den Garten. Seit 2006 wird das Haus als Museum genutzt.

Die Gesellschaft, die aktuell 2.118 Mitglieder zählt, unterhält die Liebermann-Villa mit ihrem Garten aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Etwa 120 ehrenamtlich Tätige sorgen mit ihrem Engagement dafür, dass die Villa eine Zukunft hat.

Öffentliche Mittel für Erhaltung und Betrieb des Ensembles stehen der Gesellschaft nicht zur Verfügung, sodass jedes neue Mitglied willkommen ist, das die Liebermann-Villa unterstützen möchte.

Ein Museum wächst
Lucy Wasensteiner weiß den hohen Wert der Max-Liebermann-Gesellschaft für die Villa zu schätzen und betont: „Die Gesellschaft hat in 25 Jahren eine sichere Basis für das Museum geschaffen.“ Dazu holte sie wichtige Liebermann-Werke in den Hausbestand nach Wannsee. Er enthält aktuell rund 160 Liebermann-Werke, teilweise in Öl, aber auch druckgrafische Arbeiten und Pastelle des Künstlers, dessen Werke bereits zu seinen Lebzeiten begehrt waren.

Die Bestandszahl der Museumssammlung zu erhöhen und weitere über ganz Europa verteilte Liebermann-Arbeiten an ihren Entstehungsort zurückzuführen bzw. ihren Weg dokumentarisch nachzuzeichnen, ist wichtiges Ziel der neuen Direktorin, die mit ihrer Familie gerade nach Berlin-Zehlendorf gezogen ist und Entspannung beim Wandern durch den grünen Südwesten Berlins findet.

Für ihre zukünftige Arbeit kann sich Lucy Wasensteiner den lebendigen Austausch und ggf. Projektkooperationen mit den Mitgliedern des Netzwerks „Kulturkorso - Museen im Grünen“ des Berliner Südwestens gut vorstellen. Dazu gehört auch der direkte Nachbar der Liebermann-Villa, das thematisch die Geschichte Liebermanns  erweiternde „Haus der Wannsee-Konferenz“. In dieser Nachbarschaft sieht die Direktorin „viele Verbindungspunkte“ und zugleich „einen reizvollen Kontrast“. 
Zum weiteren organischen Wachstum der Liebermann-Villa sind mittelfristige Baumaßnahmen unumgänglich. So stehen der Einbau eines Fahrstuhls in die Villa sowie die Erweiterung des Depots auf ihrem Plan.

Und auch die Besucher und Touristen auf ihrem Weg zwischen Berlin und Potsdam will Lucy Wasensteiner stärker ansprechen und ihnen die Liebermann-Villa näherbringen - ein Anliegen, das sie mit dem Regionalmanagement Berlin SÜDWEST teilt. Rund 80.000 Besucher jährlich verzeichnet das Museum derzeit, das auch im Winter äußerst reizvoll ist und im Café Entspannung vom Rundgang verspricht. In den wärmeren Jahreszeiten ist der blühende Garten beliebter Ruhepol und charmante Eventlocation.

Max Liebermann - Selbstporträt 1934. | Foto: © Max Liebermann (1847–1935), de.wikipedia.org
Max Liebermann - Selbstporträt 1934. | Foto: © Max Liebermann (1847–1935), de.wikipedia.org

Ausblick
Passend zum 25-jährigen Bestehen der Max-Liebermann-Gesellschaft läuft vom 22. März bis 1. Juni  2020 die Sonderausstellung „MAX-LIEBERMANN-GESELLSCHAFT 25 – Die Entstehung eines Museums“, die sich mit der Geschichte der Max-Liebermann-Gesellschaft und der Entwicklung der Liebermann-Villa hin zum Museum beschäftigt.

Wer einmal die Sonne über dem Großen Wannsee vom Garten der Liebermann-Villa aus hat aufgehen sehen, versteht, warum Lucy Wasensteiner das Haus mit seiner traumhaften Umgebung  zu ihrem Lieblingsort erklärt hat. Hier gewinnt die Malerei des großen Impressionisten Max Liebermann (1847-1935)  das Herz des Kunstfreundes, erzählt jeder Stein des Hauses aber gleichzeitig auch die tragische, durch die grausame Ideologie des Nationalsozialismus brutal veränderte Familiengeschichte der Liebermanns.

Mit Dr. Lucy Wasensteiner haben das Museum und die Max-Liebermann-Gesellschaft eine ebenso fachkundige wie führungsbewusste Direktorin gewonnen, die den Besuchern aus aller Welt beide Aspekte anschaulich und nachhaltig zu vermitteln weiß und die Fortsetzung der anerkannten Ausstellungs- und Forschungsarbeit zu Max Liebermann garantiert.


Text: Jacqueline Lorenz

Kontakt und weitere Informationen unter:

Liebermann-Villa am Wannsee
Colomierstraße 3 in
14109 Berlin

Tel. 030 / 805 85 900
E-Mail: info(at)liebermann-villa.de

www.liebermann-villa.de



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