16.12.2015 // Stefan Seidl und sein Charité-Spin-off, die Auto Tissue Berlin GmbH

Stefan Seidl, geschäftsf. Gesellschafter. Foto: Lorenz

Stefan Seidl perfektioniert im Berliner Südwesten mit seinem hochqualifizierten Team von Wissenschaftlern, was Professor Wolfgang Konertz, Herzspezialist an der Charité, im Jahr 2000 als Spin-off auf den Weg brachte: Die Entwicklung von dezellularisierten Implantate und Prothesen für den kardiovaskulären Bereich.

Die Auto Tissue Berlin GmbH (autotissue) ist Deutschlands erster Hersteller dezellularisierter biologischer Herzklappen; darüber hinaus ist sie Inhaber zahlreicher internationaler Zulassungen und Patente für Implantate im Bereich des Herz-Kreislaufsystems. Die Implantate zeichnen sich durch sehr gute klinische Eigenschaften aus. Sie werden nicht abgestoßen, sondern besiedeln sich vielmehr nach der Implantation mit den Zellen des Patienten. Ihr Wachstums- und Regenerationspotential ist ein Alleinstellungsmerkmal im Bereich der kardiovaskulären Implantate.

Teamplayer
Der Unternehmer Stefan Seidl erfuhr im Jahr 2011 eher zufällig während seines Aufenthaltes im österreichischen St. Anton davon, dass die im Jahr 2000 in Berlin- Mitte als Start-up der Charité ausgegründete Auto Tissue Berlin GmbH zum Verkauf stand. Von jeher technologiebegeistert und vom Gedanken geleitet, durch ein eigenes Unternehmen und dessen Schlüsselprodukte den medizinischen Fortschritt vorantreiben zu können, übernahm er 2012 die GmbH mit ihren sechs Mitarbeitern. Als Glücksfall für die Ausgründung erwies sich, dass der Betriebswirtschaftler und gebürtige Rheinländer reiche Unternehmenserfahrung mitbrachte. Die „neue“ autotissue befindet sich heute auf bestem Weg, die Basis für nachhaltige Erträge zu legen.

„Diesen Kauf habe ich nicht bereut“, erklärt Diplom-Kaufmann Seidl überzeugt; er sei gerne nach Berlin gezogen. In Berlin sei das Angebot fachkompetenter Biologen und Wissenschaftler sehr gut, auf das die autotissue, nicht zuletzt dank ihrer Kooperation mit der Beuth Hochschule für Technik Berlin, zurückgreifen kann. Stefan Seidl hebt besonders das fundierte medizinische Fachwissen seines derzeit 22-köpfigen, überwiegend weiblichen Teams hervor, das aus Medizinisch-Technischen Assistenten/Innen,  Wissenschaftlern, Biologen und Doktoranden in Labor, Forschungsabteilung, Entwicklung, Produktion und Vertrieb besteht.

Prof. Dr. Christoph Schmitz. Foto: Lorenz

Seit August 2014 zeichnet Prof. Dr. med. Christoph Schmitz im Unternehmen als Chief Medical Officer (CMO) für sämtliche medizinische Belange bei der autotissue verantwortlich. Mit Blick auf die zuverlässige Anwendbarkeit der neu entwickelten Prothesen und Implantate ist er in den Forschungsbereich involviert. Außerdem begleitet er im Operationssaal ihre fachgerechte Anwendung. Er betont: „Es ist etwas ganz besonderes, bei der Entwicklung hochwertigster Herzimplantate dabei sein und damit die Nische der Kinderherzchirurgie in Europas bedienen zu können.“

Prof. Schmitz leitete als Experte auf dem Gebiet der Kinderherzchirurgie die Sektion Kinderherzchirurgie in der Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie der Universität München und trägt das Zertifikat „Kinderherzchirurgie" der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGHTHG).

Dezellularisierte Pulmonalklappe ... aus dem Hause autotissue. Foto: Lorenz

Mitwachsende Herzklappen und belastbare Herzbeutel-Flicken
Die Auto Tissue Berlin GmbH produziert mit der Matrix P plus N eine dezellularisierte xenogene Pulmonalklappe und mit dem Matrix Patch einen dezellularisierten Pericardpatch.

Gemeinsam ist beiden Implantaten, dass vor Anwendung über ein schonendes autotissue-patentiertes Verfahren vom bindegewebigen Matrix-Gerüst die fremdzellulären Bestandteile entfernt werden. Das Kollagen-Gerüst bleibt erhalten und besiedelt sich im Körper mit patienteneigenen Zellen wieder. Dadurch werden diese Implantate im Vergleich zu konventionellen chemisch fixierten Herzklappen nicht abgestoßen. Darüber hinaus verfügen sie über ein hohes Wachstums- und Regenerationspotential, weshalb sie gut geeignet sind für die Neonatal- und Kinderchirurgie bei der Behandlung von angeborenen Herzfehlern.

Der Firmenname erklärt sich so von selbst: „auto tissue = Eigengewebe“. Beim erwachsenen Patienten gibt es einen großen Bedarf im Bereich der Aortenklappen.

Der Perikardpatch kommt als Implantat am geschädigten Herzbeutel zum Einsatz, kann dort als individuell angepasster Flicken aus „weichem Bastelmaterial“ eingenäht werden.

Wegen seiner genetischen Nähe zum Menschen wird für das Herzklappen-Implantat vom Schwein stammendes (porcines) Material verwendet, das mit vom Pferd stammendem (equinem) Material ummantelt ist. Das reißfestere equine Material kommt auch bei den Patches zum Einsatz, da es einem höherem Druck ausgesetzt ist. Zurzeit forscht die autotissue an Patches, die vom Rind stammen.
Die Herzklappen der autotissue werden zu 70 Prozent in der Türkei verwendet, einem „jungen“ Land mit einem hohen Bevölkerungsanteil der unter 30-Jährigen.

Foto:ec.europa.eu

Unternehmens-Zukunft
Stefan Seidl strebt in den nächsten zwei Jahren eine Verdoppelung der Mitarbeiterzahl auf 45 Mitarbeiter/innen an. Aktuell hat er für das Unternehmen an der Goerzallee 305d Räume von der Dr. Fechner Gruppe angemietet, kann sich aber auch vorstellen, mit Eröffnung des neuen Technologie- und Gründungszentrum an der Fabeckstraße FUBIS mittelfristig seinen Standort dorthin zu erweitern. Für autotissue empfindet er den bodenständigen Berliner Südwesten als passenden innovativen Standort, der mit seiner Nähe zu Brandenburg ein gutes Potential an Arbeitsplätzen bereit hält und sich der wachstumsorientierten Begleitung durch das Regionalmanagement Berlin SÜDWEST sicher sein kann.

Als mittelfristiges Ziel kann sich der geschäftsführende Gesellschafter und passionierte Skiläufer, der in Amerika zur Schule ging und an der Harvard-University studierte, vorstellen, irgendwann in Colorado eine Zweigniederlassung zu eröffnen – um das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden.
 
Text: Jacqueline Lorenz

Kontakt und weitere Informationen unter:

Auto Tissue Berlin GmbH
Goerzallee 305d
14167 Berlin

Tel.: +49 (0)30 3302 925 80
info@autotissue.de


www.autotissue.de




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