EXIST-Gründerstipendium für Aivy

Das Aivy-Gründerteam | Foto: © Jasmin Hazim
Das Aivy-Gründerteam | Foto: © Jasmin Hazim

27.05.2019: Die Gründer David Biller, Arbnor Raci und Florian Dyballa berichten im Interview von ihrer Idee, Recruiting per App spielerisch effizienter zu machen. Betreut wird das Team durch ihren Mentor Prof. Dr. Hannes Rothe vom Institut für Wirtschaftsinformatik der Freien Universität Berlin und von Profund Innovation.

 

Worum geht es bei Aivy?

Florian: Aivy verpackt psychologische Tests in kurzweilige Minispiele, hilft so auf ansprechende Weise die eigenen Potenziale zu entdecken und dadurch den richtigen Beruf zu ergreifen.

Wie genau sehen diese Minispiele aus?

Arbnor: Jedes Minispiel zielt auf verschiedene Dinge ab, so geht es beim Spiel „Gefühlchaos“ um die Emotionserkennung, indem man Gesichtsausdrücke bewertet. Beim Spiel „Selbsterkenntnis“ hingegen bewertet man Begriffe (passt zu mir/passt nicht zu mir) und erhält im Anschluss eine Rückmeldung über die eigene Persönlichkeit. Unsere Verfahren sind wissenschaftlich fundiert und decken die Bereiche Interessen, Fähigkeiten, Kompetenzen und Persönlichkeit ab. Dadurch bekommen wir einen sehr viel breiteren Eindruck von der entsprechenden Person und können ihr dementsprechend passende berufliche Perspektiven vorschlagen.

Wie seid ihr darauf gekommen das Thema Recruiting und Gaming zu verbinden?

David: Spiele sind ein guter Weg interaktiv zu werden und Leute für Dinge zu begeistern, die heute noch recht trocken vermittelt werden.

Also wollt ihr Berufsberatung spielerisch ansprechend machen?

Arbnor: Genau! Und vor allem dabei helfen herauszufinden, was man wirklich gut kann. Orientierungslosigkeit bei der Berufswahl resultiert oftmals daraus, dass man nicht genau weiß, worin die eigenen Stärken liegen. Hier hilft Aivy und zeigt welche Wege einem damit offenstehen.

Florian: Darüber hinaus bezieht Aivy in das Matching entsprechende Erfolgsfaktoren mit ein. Anstatt einfach davon auszugehen, dass bestimmte Charaktereigenschaften zu gewissen Berufen passen, verarbeitet der Algorithmus reale Daten zu Berufszufriedenheit und –erfolg. Dadurch kann Aivy bessere Berufsperspektiven vorschlagen, als die Theorie allein es könnte.

Wen genau wollt ihr damit ansprechen? Wer ist eure Zielgruppe?

Florian: Vor allem den jährlich 2,5 Millionen jungen Menschen die am Übergang von Schule, Ausbildung oder Studium ins Berufsleben stehen. Ein großer Teil von ihnen hat bereits ein Studium oder eine Ausbildung angefangen, diese aber auf Grund falscher Vorstellungen wieder abgebrochen. Hier werden wir ansetzen.

Arbnor: Es gibt viele talentierte junge Menschen, die aufgrund ihres Umfeldes gar nicht erst dazu ermutigt werden ihren beruflichen Ambitionen nachzugehen. Das wollen wir ändern! Mit Aivy können diese unabhängig von den Erwartungen ihrer Familie oder Freunden und nur für sich alleine auf ihrem Smartphone eine Berufsberatung erhalten. So werden diese nicht von außen in irgendwelche Perspektive gedrängt.

David: Ich persönlich hatte beispielsweise schon früh den Wunsch in die IT zu gehen, aber mir fehlte es an der Sicherheit und Selbsteinschätzung. Wieso sollte ich etwas schaffen, was andere vermeintlich viel besser können? In meinem damaligen Umfeld war niemand da, der mich in meinem Wunsch unterstützt und bestärkt hätte. Unsere App setzt genau da an und kann Menschen wie mir damals die Sicherheit geben, die gefehlt hat. Die diagnostischen Tests und Analysen geben einem über die Orientierungshilfe hinaus eine Bestärkung in seinen Fähigkeiten. Aivy unterstützt dich als digitaler Berufs- und Karrierecoach, was andere vielleicht eben gerade nicht tun.

Was ihr denn euer persönlicher Traumberuf?

Florian: Ganz klar Entrepreneur, weil man hier täglich viele unterschiedliche Aufgaben und Herausforderungen zu bewältigen hat. Es ist schön seine verschiedenen Stärken in der beruflichen Tätigkeit ausleben zu können.

David: Bei mir ist es ähnlich, da ich mich von meinem Berufsfeld nicht einengen lassen möchte.

Arbnor: Während des Studiums und bei meiner Arbeit in einer Werbeagentur habe ich auch immer wieder mit der Selbstständigkeit geliebäugelt.

Also euch gefällt die Freiheit des Entrepreneurships?

Florian: Genau, diese geht aber natürlich auch mit einer entsprechenden Verantwortung und Unsicherheit einher. Insofern ist das sicherlich auch nichts für jeden.

Wie habt ihr als Team zusammengefunden und wie setzen sich eure Kompetenzen zusammen?

David: Florian hat ja bereits sehr früh sein erstes Unternehmen gegründet und sich unter anderem mit der Berufsorientierung von Schülerinnen und Schülern beschäftigt, dabei kam er in den Kontakt mit Boas, der zum Thema Eignungsdiagnostik forschte. Zusammen entwickelten sie die Grundidee zu Aivy und waren für dessen Umsetzung auf der Suche nach passenden Mitgründern. So kamen wir auf einer Veranstaltung in den Kontakt und ich empfand die Idee von Aivy direkt für wichtig und sinnvoll. Da Entwicklung einer unserer Kernaufgaben ist, konnten wir mit Arbnor einen weiteren Entwickler und Mitgründer aus meinem Netzwerk für unser Projekt gewinnen. Florian kümmert sich entsprechend um alle betriebswirtschaftlichen Aspekte, Boas ist für die Diagnostik zuständig und Arbnor und ich kümmern uns um die Entwicklung.

Wie wollt ihr mit Aivy Arbeitsgebenden helfen?

Florian: Unser Ziel ist es die Stellenbesetzung für Arbeitgebende durch vorqualifizierte Bewerber schneller, günstiger und vor allem nachhaltiger zu gestalten. Durch diagnostische Daten können wir Arbeitskräfte und Arbeitgebende besser zusammenbringen und verhindern, dass Leute eingestellt werden, die das Unternehmen nach wenigen Monaten wieder verlassen. Darüber hinaus ermöglichen wir eine diskrimierungsfreie Bewerberauswahl, da anstatt Alter, Geschlecht oder Herkunft die individuellen Fähigkeiten und Kompetenzen einer Person im Vordergrund stehen.

Wie ist euer aktueller Stand und was steht in den nächsten Monaten an?

Arbnor: Wir werden im Sommer die App veröffentlichen und danach ordentlich die Werbetrommel rühren, um mit entsprechende Daten den Machine-Learning-Algorithmus zu trainieren. Parallel wollen wir Kooperationen schließen und Unternehmenskunden gewinnen.

David: Ab 2020 wollen wir dann zudem den rund 14,8 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland, die unglücklich in ihrem aktuellen Beruf sind, mit Aivy helfen sich umzuorientieren.

Ihr habt zunächst mit dem Berliner Startup Stipendium gestartet. Wieso war das EXIST-Gründerstipendium der nächste richtige Schritt für euch?

Florian: Mit dem Berliner Startup Stipendium hatten wir die Möglichkeit aus der konzeptionellen Idee einen funktionalen Prototyp zu entwickeln und diesen mit der Zielgruppe zu testen. Nun können wir mit der EXIST-Förderung das Geschäftsmodell validieren sowie die Markteinführung fokussieren.

Und zuletzt: Was würdet ihr angehenden Entrepreneuren raten?

Florian: Frühzeitig mit der Zielgruppe über die eigene Idee reden, denn niemand entwickelt auf Anhieb das perfekte Produkt.

Arbnor: Ausdauer ist denke ich ebenso wichtig.

David: Das stimmt. Viele Ideen können funktionieren, wenn man sie gut umsetzt, am Ball bleibt und den Product-Market Fit fokussiert.

Interview und Foto: Jasmin Hazim

 

Quelle: https://www.fu-berlin.de/sites/profund/aktuelles/news/EXIST-Aivy.html



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