„Mörder & Mörderinnen“ Im Schlosspark Theater: Zack-Bumm - Applaus!!

Foto: © DERDEHMEL-Urbschat
Foto: © DERDEHMEL-Urbschat

12.02.2019: Rasant, mit Berliner Tempo geht es in der sehenswerten Uraufführung auf der Bühne zu, Slapstick und Comic lassen grüßen, und es wäre nicht verwunderlich, machte es sich auch noch der Rosarote Panther auf der Bühne bequem.

Was Regisseur Thomas Schendel da mit viel intelligentem Humor und brillant eingearbeiteter Gesellschaftskritik gelungen ist,  - ein wahres Meisterstück einer Krimikomödie, mit Recht nicht nur von Berliner Publikum umjubelt.

HANDLUNG

Neben sich im Bett von Dr. Rudi Wagner erwacht – nicht weniger verkatert – Paul, ein schräger Typ. Der Alkohol der vergangenen Nacht hat beide im Rotlichtmilieu zusammengebracht, mehr wissen sie nicht mehr. Dort, in der Gegend, wo sie waren, ist ein Mord geschehen. Ist einer von ihnen der Mörder??

Rudis couragierte Frau sucht einen Ausweg, gibt Tipps, wie sie der „gerechten“ Strafe entgehen könnten.

Bei der anschließenden Odyssee durch Berliner Bars, Galerien und Polizeidienststellen kommen die beiden Zufalls-Bettgenossen u.a. einem schicksalsergebenen Obdachlosen, der hochgeschlossenen Gleichstellungsbeauftragten, einer vollbusigen Bardame, und dem nur wenig motivierten Kommissar Knorr, der „Rücken“ hat und die Frührente herbeisehnt, sowie seinem Assistenten Möller näher.

STÜCK

Das Stück nach einer Idee von Eugène Labiche ist vom namhaften (Drehbuch-)Autor und Fachmann der Filmmontage Hartmann Schmige nach Berlin verlegt worden.

Gendergerechtes Sprechen wird im Stück ebenso zum Thema gemacht, bei dem kein Auge der Theaterbesucher*innen trocken bleibt, wie Klischees über Berliner Bezirks-Bevölkerung (Kreuzberg gegen Wilmersdorf), nie enden wollende Bauvorhaben und unverstandene Künstler mit ihrer noch weniger verstandenen Kunst, die geldwitternden Galeristen stets im Rücken.

In raschen Bildern und Projektionen wird die Bühne zum Comicstrip, in dem jede Rolle eine Hauptrolle ist, dank punktgenau auf den drei Ebenen der Bühne in Szene gesetzter und perfekt aufeinander eingespielter Darsteller*innen. - Sie spielen bereits in der Premiere beeindruckend locker und ohne jede Unsicherheit. Bei dem Tempo des Stückes und nach nur einwöchiger Probe auf der Hauptbühne eine bemerkenswerte Leistung!

New-Orleans-Jazz, Geräusche und Sounds (Philippe Roth) sowie schnelle Szenenwechsel unterstreichen den Comiccharakter, der das Bühnenbild (Stephan von Wedel) auf minimalistische Vorhang-Projektionen beschränkt. Schlaf- und Wohnzimmer, Dienststelle und  Bar sind in einfachen Pinselstrichen skizziert, lassen die Personen und das temporeiche Geschehen auf der Bühne im Mittelpunkt stehen.

ZACK-BUMM

Dabei provozieren immer wieder unvorhersehbare und überraschende Pointen und Geräusche begeisterten Zwischenapplaus: Ja, da zuckt es in den Beinen, aufzustehen und im Takt mitzuklatschen, wenn Kommissar Knorr/Philipp Sonntag die Mundharmonika zückt und in seiner halbfertigen Dienststelle, in der das Wasser von der Decke tropft, im Rhythmus der in Eimer fallenden Wassertropfen einen Blues hinlegt, dass es nur so schwappt und sogar die Hauptverdächtigen mit einstimmen.

Überhaupt dieser Sonntag: Träger des Deutschen Kleinkunstpreises, Allrounder, von dessen Hand auch die Figurenskizzen auf dem aktuellen Theaterplakat stammen, facettenreicher Schauspieler, begnadeter Komiker und auch mit Mundharmonika begeisternd, gewinnt schnell das Publikum für sich.

Doch auch die übrigen Bühnenpartner*innen, alle längst Schlosspark-Theater erprobt, stehen ihm an Spielkraft und sprühendem Temperament, gewollt überzeichnet,  in nichts nach. Raimond Knoll, wianert sich als Knorrs Assistent, „aus dem noch mal was werden kann“, charmant unwissend durch´s Stück,  Mario Ramos als hibbeliger Rudi und Oliver Nitsche als der  „typische Kreuzberger“ Paul erheitern nicht weniger. Für Irene Christ, Anne Rathsfeld und Karsten Kramer hält das temporeiche Stück zusätzliche Herausforderung bereit: Für ihre Doppelrollen erwartet sie hinter der Bühne ein wahrer Umkleide-Marathon, der ihnen jedoch nichts von ihrer Spielkraft zu rauben scheint.

- APPLAUS !

So schlägt diese Comic-Slapstick-geladene Krimikomödie schließlich jeden in seinen Bann, der Humor mit Köpfchen und Tempo mag – Berliner wie Berlin-Besucher.

Mit dem amüsanten sehenswerten Stück „Mörder und Mörderinnen“ hat Thomas Schendel einmal mehr dem Schlosspark Theater und Hausherrn Dieter Hallervorden einen Dienst erwiesen, so dass endlich auch dem Kultur-Unverständigsten klar werden sollte: Längst spielt das Schlosspark-Theater ganz vorne in der Liga der namhaften Berliner Theater mit, die es ohne Frage zu erhalten und unterstützen gilt.

„Mörder und Mörderinnen“ im März 2019: 4.+5., 7.-10. und 12.-15. März

Weitere Infos und Spielplan unter

www.schlossparktheater.de

Kartentelefon: 030 - 789 56 67 - 100


Text: Jacqueline Lorenz 



Das „Regionalmanagement Berlin SÜDWEST“ (RMSW) ist im Rahmen des Wirtschaftsförderprogramms Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) je zur Hälfte aus Bundes- und Landesmitteln sowie einem entsprechenden Anteil des Bezirks Steglitz-Zehlendorf von Berlin finanziert.

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie  Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung  Berlin Steglitz-Zehlendorf

Regionalmanagement Berlin SÜDWEST
Schloßstraße 48
Gutshaus Steglitz
12165 Berlin

T +49 (0)30-707 600 84
F +49 (0)30-707 600 26
info@rm-berlin-sw.de