Intensives Training gegen Sprachverlust nach Schlaganfall

07.03.2018: Wie lässt sich Sprachtherapie noch weiter verbessern? Mit dieser Frage haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Freien Universität Berlin und der Charité im Rahmen einer Therapiestudie befasst und verschiedene Behandlungsmethoden überprüft. „Erste Ergebnisse zeigen, dass neben Intensität und Dauer einer Therapie auch das Maß eine Rolle spielt, in dem Sprache im Kontext kommunikativen Handelns eingebettet ist“, erklärt Professor Dr. Dr. Friedemann Pulvermüller, der die Untersuchungen am Arbeitsbereich Neurowissenschaft der Sprache und Pragmatik der Freien Universität leitete. Darüber hinaus belegten die Studien, dass der Schlüssel zur Problemslösung häufig in der interdisziplinären Zusammenarbeit liegt. Die Ergebnisse der Studien wurden in der Zeitschrift Cortex veröffentlicht.

„Jeder von uns hat schon einmal vergeblich nach einem Wort gesucht, und auch Versprecher kommen im Alltag regelmäßig vor“, erklärt Friedemann Pulvermüller. Bei einer neurologischen Sprachstörung seien solche Fehler aber viel dramatischer. Nach einem Schlaganfall litten Patienten oft auch an einer organischen Sprachstörung oder Aphasie, was mit erheblichen Problemen beim Sprechen und beim Verstehen von Sprache verbunden sei. Aphasie-Patienten bekämen zunächst regelmäßig Sprachtherapie; Monate und Jahre nach der Erkrankung werde aber meist immer seltener therapiert. Patienten mit chronischer Sprachstörung, deren Erkrankung mehr als ein Jahr zurückliegt, erhielten oft nur noch ein bis zwei Therapiestunden pro Woche. Nun weisen frühere Studien aber darauf hin, dass derart wenig Therapie kaum wirksam sei. Demgegenüber konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Freien Universität und der Charité mit intensiver Sprachtherapie auch bei chronischen Aphasien merkliche Verbesserungen in der Sprachfähigkeit erzielen – und dies auch noch viele Jahre nach Beginn der Erkrankung.

Das interdisziplinäre Forscherteam um Friedemann Pulvermüller entwickelte in der Vergangenheit bereits Methoden für solch langfristig angelegte, intensive Therapien. Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun die Ursachen der Wirksamkeit intensiver Sprachtherapie und die Mechanismen, die den erzielten sprachlichen Verbesserungen zugrunde liegen. Dabei spielt auch der Blick ins Gehirn eine wichtige Rolle: Welche Gehirnbereiche zeigen Veränderung ihrer Aktivität, wenn sich die Sprachfähigkeit nach intensivem Training verbessert? Bei welchen sprachlichen Konstruktionen zeigen sich die Veränderungen?

„Unsere bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Intensität der Therapie ein wichtiger Faktor ist, wobei zumindest fünf Stunden pro Woche für den Erfolg notwendig zu sein scheinen“, erklärt Friedemann Pulvermüller. Ein weiterer wichtiger Faktor sei der Grad, zu dem die Sprachverwendung in der Therapie in kommunikatives Handeln eingebettet ist. Eine Möglichkeit zur kommunikativen Einbettung von Sprache ergebe sich auf der Grundlage von „Sprachspielen“, die von dem Philosophen Ludwig Wittgenstein einstmals zu rein theoretischen Zwecken erfunden worden waren; sie können in der Sprachtherapie aber inzwischen als Heilmittel fungieren.

Durchgeführt wird das Projekt am Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften der Freien Universität mit Unterstützung durch Frau Professor Dr. Bettina Mohr im Arbeitsbereich für Klinische und Kognitive Neuropsychologie der Charité–Univeritätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin.

Kontakt

Prof. Dr. Dr. Friedemann Pulvermüller, Arbeitsbereich Neurowissenschaft der Sprache und Pragmatik & Labor für Gehirn- und Sprachforschung / Brain Language Laboratory des Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-54443, E-Mail: Friedemann.pulvermuller@fu-berlin.de (rpt. Friedemann.pulvermuller@fu-berlin.de)

Weiterführende Links

Quelle: http://www.fu-berlin.de/presse/informationen/fup/2018/fup_18_044-sprachtherapie/index.html



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