Hallervordens Erfolgsrezept wirkt

Pressekonferenz Schlosspark Theater | Foto: © Lorenz
Pressekonferenz Schlosspark Theater | Foto: © Lorenz

10.09.2019: Man nehme: Einen erfahrenen und dabei möglichst junggebliebenen Theatermenschen mit Durchhaltevermögen, eine gute Prise Humor, Geist und Können, ganz viel Liebe und ein großes Herz. Wenn dann noch etwas Geld(!) und gute Stücke dazukommen, kann eigentlich nichts mehr passieren: - Der Saal im Schlosspark Theater wird voll.

Dieter Hallervorden hat in den vergangenen 10 Jahren nach eigenem Rezept ein gut bekömmliches, mehr oder weniger herzhaft aus der Privatschatulle gewürztes Schlemmersüppchen komponiert, das dem Publikum auch in der elften Spielzeit munden und Appetit auf mehr machen dürfte. Mit dem ersten Stück dieser Spielzeit „Adel verpflichtet“ ist das dem engagierten Hausherrn und Kopf des Schlosspark Theater bereits „mächtig fein“  gelungen. Denn wie heißt es doch in der Komödie so treffend: Was ist der Körper wert, wenn der Kopf fehlt?

Adel verpflichtet

Britischer Humor gepaart mit Hallervord´schen Sketchen. Und wenn dann auf der Bühne auch noch Sohn Johannes das Ganze an der Seite des Vaters spielerisch komplettiert: Was soll da schiefgehen?

Hinter Gittern wartet Victor Lopez seine Memoiren schreibend auf den Tag seiner Hinrichtung. Man hat ihn fälschlich des Mordes an seinem Widersacher Lionel Holland für schuldig erklärt. Im Gespräch mit seinem fallbeilschärfenden Henker erzählt er dem sein Leben. Während Victors Vater ein mexikanische Windhund und Sänger war, entstammte seine Mutter einem Adelsgeschlecht. Doch um in der Erbfolge an erste Adelsstelle rücken zu können und damit seiner Jugendliebe Sibella zu imponieren, muss der in verarmten Verhältnissen aufgewachsene Victor zuerst die acht vor ihm in der Reihe Stehenden verschlagen und einfallsreich um die Ecke bringen.

Und auch wenn Sibella ihren Victor schließlich des Mordes an Lionel entlasten kann, geht das Ganze für Victor nicht wunschgemäß aus.

Mit der kurzweiligen Fassung des Autorenduos Dogberry (Anatol Preissler) & Probstein (Otto Beckmann) kommt hier eine Komödie auf die Bühne, die nach dem 1907 erschienene Roman von Roy Horniman „Autobiography  of a Criminal“ und dem daraus 1949 entstandenen Film eine weitere witzige und schräge Spielform der schwarzhumorigen Geschichte um Mord, Adel und Liebe entwickelt hat. Bereits im vergangenen Jahr inszenierte Preissler am Ernst Deutsch Theater Hamburg die Uraufführung des Stückes. Unter seiner Regie erfuhr es jetzt am Schlosspark Theater eine wohltuende Straffung zugunsten von Spritzigkeit und Situationskomik.

Ist die Handlung an sich einfach, gewinnt sie, hier retrospektiv auf die Bühne gebracht, an Spannung. Schlag auf Schlag entfaltet sich Mord auf Mord ein buntes Feuerwerk der Dialoge. Dabei laufen die Schauspieler an manchen Stellen Gefahr, das Sprechtempo derart anzuziehen, dass der Zuschauer Mühe bekommt,  dem Text folgen zu können.

Man kann nur ahnen, wie viel Probenarbeit dahinter gesteckt hat, bis die pointierte Leichtigkeit des Spiels erreicht war. – Erreichbar nur durch die hohe Professionalität des Ensembles, das komödiantisch in Bestform ist. Es verleiht diesem wohl aufwändigsten Stück der letzten zehn Jahre des Schlosspark Theaters den passenden Rahmen, in dem es witzig, mit immer neuen unerwarteten Gags glänzen kann.

Auch wenn Vater und Sohn Hallervorden das erste Mal in demselben Stück spielen, begegnen sie sich doch erst beim Schlussapplaus auf der Bühne. Schlüpft der Senior in fünf verschiedene Rollen, sind es beim Junior drei, davon eine Frauenrolle. Besonders als jünpferliche Tante Ughtretta zeigt Johannes, wie viel Talent zum Komiker auch in ihm steckt. Dieter Hallervorden erheitert durch bizarre Kostümierung u.a. als Eiszapfen und Römer, seine Auftritte sind kurz, aber vergnüglich beeindruckend.

Annika Martens und Jantje Billker – beide zum ersten Mal am Schlosspark Theater – überzeugen in ihren verschiedenen Rollen in erfrischender Wandlungsfähigkeit. Otto Beckmann gehört nicht nur zum Autorenteam, sondern schlüpft auch souverän in die Rolle des Victors. Tommasco Cacciapuoti fängt das Publikum als stimmgewaltiger Mexikaner zwischen den Szenen mit heißen Rhythmen ein. „Henker“ Oliver Nitsche bringt mit seiner Rolle die nötige Ruhe in das quirlige Stück, das mit Technik und Bühnenbild alle Register zieht. Mit Slapstick-Film, Schwarzlicht, pyrotechnischen Effekten, raschen Orts- und fliegenden Kostümwechseln wird da an nichts gespart. – Eine eigentlich schwarze Komödie, die dann jedoch als flirrende Laterna magica für zwei Stunden fröhliche Bilder vor die Augen des begeisterten Publikums zaubert.

„Adel verpflichtet“ wird durchgehend bis zum 20. Oktober 2019 gespielt.

„Mein geliebtes Theater lebt – ich mache weiter!“

so die Worte vom Intendanten Dieter Hallervorden anlässlich der elften Spielzeit seines Schlosspark Theaters, das er 2008 mit großer Eigeninitiative vor dem Verfall rettete und - mit verlässlichem Team hinter sich - zu neuem Erfolg brachte. Auch wenn anfangs stille Neider ihm das nicht zutrauen wollten, sind auch die letzten Kritiker inzwischen eines Besseren belehrt.

Anerkennung kommt übrigens auch von Johannes Hallervorden, der auf der Bühne längst seine eigenen Fußabdrücke neben die des Vaters setzt: „Für mich ist es eine Ehre, heute in dem Theater auf der Bühne zu stehen, von dessen Loge aus ich vor 10 Jahren die Eröffnung verfolgt habe.“

Gespannt darf man auch auf die nächsten Stücke sein, die ab dieser Spielzeit erstmals durchgehend „en suite“ gespielt werden, um wirtschaftlicher planen zu können:

So folgt im Oktober 2019 die deutschsprachige Erstaufführung der Komödie „Ruhe, wir drehen!“ unter der Regie von Thomas Schendel u.a. mit Angelika Mann, Wolfgang Bahro, Karsten Speck und Susanna Capurso. Anfang 2020 dann unter gleichem Regisseur die auch musikalisch hochrangige Uraufführung „Ich bin nicht Mercury“ u.a. mit Thomas Borchert.

Und in „Schmetterlinge sind frei“ gibt es an der Seite von Johannes Hallervorden ein Wiedersehen mit Julia Biedermann.

Ein typisches Sommer-Boulevardstück ist mit „Zwei wie Bonnie & Clyde“ zu erwarten.

Daneben werden dem Publikum in der neuen Spielzeit auch etliche Wiederaufnahmen, bemerkenswerte Lesungen und Gastspiele geboten:

Johannes Hallervorden, zuständig für die Gastspiel-Buchungen, ist es gelungen, den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck mit seinem Vortrag „Toleranz – einfach schwer“ für den 22. Februar 2020 um 16 Uhr an das Traditionstheater an der Schloßstraße zu holen, das damit einmal mehr weit über die Bezirksgrenzen hinaus seinem Namen alle Ehre macht.

Spielplan und weitere Informationen unter www.schlossparktheater.de
Kartentelefon: 030 – 789 56 67 - 100

 

Quelle: Jacqueline Lorenz



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