Mosca und Volpone

Foto: DERDEHMEL/Urbschat
Foto: DERDEHMEL/Urbschat

07.12.2017: Historische Komödie mit Pfiff im Schlosspark Theater Berlin
In der dunklen Jahreszeit lockt das Schlosspark Theater mit einer italienischen Volkskomödie à la Commedia dell`arte, die nicht nur auf der Bühne sondern auch im  Gemüt manch buntes Jahrmarktlämpchen aufleuchten lässt.  

Und wenn zu Beginn das Publikum gefragt wird, welches Stück die erlauchte Gauklertruppe denn spielen solle, tut es gut daran, sich für „Mosca und Volpone“ zu entscheiden.

Eine Theaterkarre voller Illusionen, Masken und Geschichten rollt auf die Bühne, und zu den operettenhaft anmutenden Klängen Jacques Offenbachs kann das Narrenspiel um Habgier, Erbschleicherei und Betrug beginnen:

Habgier, die nach hinten losgeht

Da ist der als überaus reich geltende Kaufmann Volpone, ohne Nachkommen und Erben. An seiner Seite Diener Mosca, den er als „Schmeißfliege“ zu betiteln pflegt. Doch dieser Mosca hat es faustdick hinter den Ohren: Als es sein Herr leid ist, sich gegen die dauerenden Betteleien seines Umfeldes zur Wehr setzen zu müssen, ersinnt Mosca eine List und behält von nun an die Fäden für das, was kommen wird, fest in der Hand: Daran zappeln sie als Marionetten von Mosca gelenkt ihrem Schicksal entgegen und merken nichts, verblendet von Erbschleicherei und Habsucht: Scheinbar todkrank hütet Volpone das Bett, an dem sich jeder der hoffnungsvollen Erben einfindet, dem „Todkranken“ Ehre zu erweisen. Und jeder von ihnen denkt, als Dank einmal seinen Namen unter Volpones Testament lesen zu können. Doch es kommt ganz anders, denn der durchtriebene Mosca wird letztendlich zum Gewinner und jagt alle, einschließlich Volpone, zum Haus hinaus. Besonnen will er, der eigentlich so Anspruchslose, mit dem Ererbten zukünftig Gutes tun – nicht zuletzt auch zum Nutzen der Armen und der Kunst…

Der Theaterkarren rollt schwungvoll

Nebenrollen sucht der Zuschauer in diesem Stück vergebens, vielmehr erfüllt die präzise aufeinander eingespielte Schauspieltruppe alle Erwartungen, die an eine Commedia dell`arte geknüpft sind.

Dieter Hallervorden („Nach meiner ernsten Rolle in „Vor Sonnenuntergang“ hat es mich gereizt, in meinem Haus wieder Komödiantisches zu spielen“) überzeugt in der Rolle des Strippenziehers Mosca pfiffig und lebendig, lässt ihn und das Publikum sein eigentliches Alter vergessen. Von Zeit zu Zeit schimmert wohldosiert „Didi“ durch, doch das tut dieser harlekinnahen Rolle keinen Abbruch, sondern macht sie umso sympathischer. Volpone alias Mario Ramos ist an seiner Seite das passende Energiebündel, das schauspielerisch alle Register zieht. Ebenso wie der junge bemerkenswerte Jonathan Kutzner, der als aufklärerischer Leone ekstatisch alles gibt. Als erfahrene Kurtisane Canina begeistert Franziska Troegner von mütterlich-frivol-frech bis deftig wogend. Erinnert man sich allein an ihre Rolle im Schlosspark Theater als dämonische Psychoschwester in „Misery“, wird einmal mehr klar, über welch großen Spielraum schauspielerischer Wandlungsfähigkeit sie verfügt, mit dem sie immer wieder den Zuschauer zu fesseln oder/und zu erheitern vermag.

Auch Anja Gräfenstein, die als Colomba dem sterbenden Volpone zur Wiederbelebung von ihrem Mann Corvino (Karsten Kramer) ins Bett geschoben wird, muss so einiges über sich ergehen lassen, um Volpones Erbe näher zu rücken. Und  es gibt da noch den keinesfalls unbestechliche Richter Tafano (Georg Tryphon) und den Notar Voltore (Oliver Nitsche), welcher die Erbschleicherei in Person darstellt. Thomas Schendel lässt es sich nicht nehmen, auch als Mime auf dem Theaterkarren mitzufahren. Als von Habgier und Geiz bis ins hagere Gesicht gezeichneter Pfandleiher Corbaccio gebührt ihm der reichliche Beifall ebenso wie als Regisseur des Stückes.

Bunte Kostüme, die heutige Alltagskleidung mit Männerbeinen in Strumpfhosen und Gaukler-Kledage vereinen, maskenhaft geschminkte Gesichter bringen fantastische Momente ins Spiel, das noch mehr Farbe durch Moscas Konfettiregen erhält.

Am Ende tritt Mosca vors Publikum und schließt den Kreis, den zu Spielbeginn die Theatergruppe eröffnet hatte. Er schließt ihn hin zur Realität: Ein buntes Haus will er bauen, mit bunten Lämpchen für das Publikum!  Und da ist er wieder – obgleich noch im Mosca-Kostüm - der Intendant, der Theaterbewahrer Dieter Hallervorden, der dies alles hier doch hauptsächlich für sein Theater, seine Kunst und sein Publikum tut, und der längst das Schlosspark Theater im Berliner Südwesten wiederaufgebaut und die Lämpchen daran angezündet hat.

Von Jonson über Zweig zu Schendel

Im Jahr 1606 schrieb als Zeitgenosse William Shakespeares der englische Autor Ben Jonson in der Urfassung das Stück „Volpone“ als Commedia dell`arte, die - aus Italien stammend - eine Variante des traditionellen Theaters darstellt. Stefan Zweig machte sich 320 Jahre später an die Überarbeitung der Komödie. Ursprünglich hatte Zweig die Übersetzung des Originals von seinem Ferienort aus geplant, vergaß jedoch, Jonsons „Volpone“ dorthin mitzunehmen. Also schrieb er das Stück in der ihm eigenen typischen Sprache der 30er Jahre aus dem Gedächtnis heraus nieder.

Thomas Schendel hat als Hausregisseur des Schlosspark Theaters nach der Vorlage des Zweig´schen „Volpone“ nun einen weiteren bedeutsamen „Mosca und Volpone“ mit viel Sprachgefühl geschaffen. Mit angemessenem Respekt vor der großartigen Ausdrucksweise Zweigs gelingt Schendel dessen Komödientext der heutigen Zeit anzupassen und den Spielern damit die Worte ungekünstelt und natürlich in den Mund zu legen, wobei es auch mal deftig zugeht.

So rückt die Komödie noch ein Stück näher ans Publikum heran, das diese Nähe gerne zulässt und am Ende mit viel Beifall belohnt.

Weitere Vorstellungstermine ab Januar 2018 unter

www.schlossparktheater.de

Kartentelefon: 030 – 789 56 67 - 100

 

Text: Jacqueline Lorenz



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