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Prof. Dr. Ralf Jaumann, Leiter der Planetengeologie am Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin Adlershof

Prof. Dr. Ralf Jaumann. Foto: Lorenz

„Mein Beruf ist absolut spannend“
20.03.2017: Der promovierte Geologe Ralf Jaumann ist  Professor für Planetologie an der Freien Universität Berlin und vermittelt uns mit seinen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen von verschiedenen Weltraum-Missionen neues und spannendes Wissen über die so unterschiedlichen Planeten unseres Sonnensystems und darüber hinaus. Unermüdlich ist er mit seinem Team auf der Entdeckungssuche nach Antworten auf Fragen rund um die Entstehung und Entwicklung planetarer Oberflächen und letztlich nach den Voraussetzungen und Bedingungen des Lebens.

Wissenschaftliche Weltraummissionen sind sein Arbeitsgebiet: Als Principal Investigator ist er beteiligt an der Mars-Express-Mission der ESA mit dem HRSC-Kameraexperiment (HRSC = High Resolution Stereo Camera), das Anfang 2017 spektakuläre Bilder in 3 D-Aufnahmequalität lieferte. Die HRSC wurde von ihm und seinem 2014 verstorbenen Doktorvater Gerhard Neukum entwickelt, der wie er gleichfalls Professor an der Freien Universität und bei der DLR in Adlershof tätig war. Neben der Mars Express Mission ist er beteiligt an der NASA/ESA Cassini-Huygens Mission zum Saturn, als Co-Investigator des Rosetta-Spektrometer Experiments der NASA zu Kometen und NASA Dawn Mission zu den Asteroiden Vesta und Ceres.

Humboldt & Prof. Dr. Ralf Jaumann. Foto: Jaumann/ DLR

„Es ist ein Treiben in mir…“
In seiner Tätigkeit lässt sich Professor Jaumann von einem Ganzheitsgedanken leiten, der bereits Alexander von Humboldt und Johann Wolfgang von Goethe eigen war. So schaut  Alexander von Humboldt ständig vom Bild aus Prof. Dr. Ralf Jaumann bei seiner Arbeit in Berlin-Adlershof über die Schulter. Dessen naturwissenschaftlicher Forscherdrang und Gesamtblick auf die seinerzeit unerforschten Regionen der Erde ist es, was den Wissenschaftler Jaumann bis heute tief beeindruckt und motiviert. Man merkt:  Alexander von Humboldt ist sein Forscherideal, diesmal zu verwirklichen im Weltraum und nicht mehr auf der Erde. Jaumanns Faszination für die Geologie und die Planeten aber weckte anfangs ein Buch zur „Geologie der Erde“: Er bekam es von einem aufmerksamen Lehrer zum naturwissenschaftlichen Abitur geschenkt, das er als Jahrgangsbester bestand.

Sein Geologie-Studium an der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU) führte den gebürtigen Baden-Württemberger Jaumann zu dem Geophysiker und Planetenforscher Prof. Dr. Gerhard Neukum; Ralf Jaumann hatte den Vorzug, als erster Doktorand angenommen zu werden. Von Neukum, der als einer der ersten deutschen Wissenschaftler an NASA-Missionen beteiligt war, bei der erstmals eine CCD-Kameras zum Einsatz kam, erhielt Ralf Jaumann den Auftrag zur Prüfung der Kamera „auf Herz und Nieren“, die für die geplante Mission Galileo zum Jupiter im Jahr 1989 eingesetzt werden sollte. „Ich habe in dieser Zeit viel lernen können“, erinnert sich Jaumann gerne an seinen Doktorvater und an die Zeit am Mauna Kea Observatorium der Universität Hawaii, wo er den Mond mit der Kamera spektral betrachtete. 1989 promovierte er über die chemisch-mineralogische Zusammensetzung lunarer Oberflächenmaterialien, nachdem er ein Jahr zuvor in Oberpfaffenhofen wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Optoelektronik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in der Helmholtz-Gesellschaft geworden war. Er, der kurz nach der Wiedervereinigung die Leitung der Abteilung Experimentelle Missionsvorbereitung übernommen hatte und die Stabilisierung der einstigen DDR-Forschungslandschaft mit dem ehemaligen Institut der Kosmos-Forschung begleiten konnte, wurde 1994 zum Leiter der Abteilung Planetengeologie des DLR-Institutes für Planetenforschung in Berlin-Adlershof ernannt. Bereits 1992 war er nach Berlin versetzt worden und hatte bald seine Familie nachgeholt. Seitdem lebt er mit ihr in Berlin-Zehlendorf – auch wenn er, der Geologe, hier immer noch die Berge sehr vermisst.

Unser Sonnensystem. Foto: DLR

„Als Wissenschaftler lernt man, die Welt anders zu sehen.“
Die verschiedenen Weltraum-Forschungsaufgaben der DLR-Institute an den Standorten Oberpfaffenhofen und Berlin umschreibt Prof. Jaumann mit: „In Oberpfaffenhofen sitzt die Erdforschung, sozusagen mit Blick auf die Erde vom Weltall aus, während in Berlin die Planetenerforschung angesiedelt ist, sozusagen vom Mond nach außen blickend. Unsere Aufgabe in Berlin ist es, das Sonnensystem zu erforschen unter der Fragestellung, weshalb die Erde sich so weit entwickeln konnte und warum sie so gut funktioniert. Und: Warum funktionieren andere Planeten nicht ebenso wie die Erde?“

Forschungsaufenthalte in den USA und seine Habilitation an der LMU gingen Jaumanns Berufung zum Honorarprofessor an die Freie Universität Berlin im Jahr 2006 voraus: Mit der FU Berlin und der Universität Potsdam besteht eine kontinuierliche Zusammenarbeit;  in Potsdam seit vielen Jahren mit Prof. Dr. Hartmut Asche und seinem Fachgebiet für Geo-Informatik und in Berlin auf dem FU-Universitätscampus Lankwitz. Dort ist Prof. Asche auch Vorsitzer der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, zweitälteste geografische Gesellschaft der Welt, die 1828 u.a. von Alexander von Humboldt mitgegründet wurde. Gleichzeitig gibt es auf dem Lankwitzer Campus eine FU-Arbeitsgruppe für Planetologie. Mehrere Doktoranden wurden von Prof. Jaumann und Prof. Asche wissenschaftlich betreut mit der Zielrichtung, ein Geo-Datensystem für Planeten so zu entwickeln, dass es erfolgreich für einen Karten-Netzentwurf für Mission im Sonnensystem verwendet werden kann.

Prof. Jaumann ist inzwischen an mehreren Weltraummissionen von ESA und NASA beteiligt und Director der DLR/NASA regional Planetary Image Facility sowie Stellv. Direktor des Institutes für Planetenforschung in Berlin Adlershof.
Als Principal Investigator der High Resolution Stereo Camera (HRSC) der 2003 gestarteten ESA Mars Express Mission zur Erforschung der Marsoberfläche bringt der Wissenschaftler mit seinem Team aktuell immer wieder faszinierende 3D-Fotos des Mars an die Öffentlichkeit.

Foto: DLR
Marsmodell mit Bergen bis 27 km Höhe. Foto: Lorenz
Die Route von Mark Watney in einer nachgestellten topographischen Kartierung des DLR-Instituts für Planetenforschung. Foto: ESA/DLR/FU Berlin, Wikipedia

Mit der HRSC den Mars entdecken
Einem Glückszustand ist es zu verdanken, dass die HRSC überhaupt gebaut werden konnte: nach der Wende auf dem Gebiet der Raumforschung etwas gemeinsam auch mit der UDSSR zu entwickeln, geht auf die Idee des damaligen Bundesministers des Auswärtigen, Hans Dietrich Genscher, zurück.
Weltweit ist Deutschland für die hohe Qualität seiner Optischen Geräte bekannt. Die vom DLR-Institut für Planetenforschung entwickelte und zusammen mit der Firma Astrium (jetzt Airbus) gebaute HRSC ist ein besonderes Highlight auf diesem Gebiet: Als wichtigster Beitrag zur Mission Mars Express der ESA sorgt sie im Einsatz an der den Mars umkreisenden Sonde für dreidimensionale farbige Bildsequenzen, die dann am Boden von Prof. Jaumann und seinem Team zu 3D-Bilder-Mosaiken zusammengefügt werden. Die Auswertung dieser Bilder soll Fragen beantworten helfen zu geologischer und klimatischer Geschichte des Mars und zu vergangenen Wasservorkommen: Riesige Ausflusstäler lassen darauf schließen, detailliiert dargestellt durch die Stereokamera HRSC.

Diese und unzählige andere Bild- und Daten-Exponate aus vielen Jahren Raumfahrt birgt in großen Aktenschränken das Archiv der DLR in Adlershof, auf das Fachbesucher aus aller Welt, ESA und NASA zurückgreifen können und davon nachhaltig Gebrauch machen. Daneben die beeindruckende 3D-Ausstellung, die u.a. Einblick in die „Kometen-Mission Rosetta“ gewährt, aber auch anhand eines Mars-Modells unsere Vorstellungskraft um vieles bereichert. Neue Exponate werden hinzukommen, der Platz im DLR-Adlershof wird dafür eng werden. Während der letzten Langen Nacht der Wissenschaft 2016 zählte das DLR-Institut bereits mehr als 4000 Besucher, Tendenz steigend.

Tourismus-Magnet Planetologie in Dahlem?
Die für Prof. Jaumann und das Regionalmanagement Berlin SÜDWEST in mittlerer Sicht vorstellbare Lösung könnte – bei weiter steigendem Publikumsinteresse und weiter wachsenden Raumfahrt-Exponaten - ein Umzug in größere Räume sein,  z.B. in die Räume des Dahlemer Museumsstandorts im Berliner Südwesten in direkter Nachbarschaft zur FU Berlin und herausragenden Wissenschaftseinrichtungen. Dieser Standort könnte durch die Verlagerung der alten Kulturgüter in das Humboldt-Forum mittelfristig Platz für das unendliche und spannende Thema der Welt(all)geschichte, der Weltraumforschung und der Weltraum-Missionen bieten und damit wieder ein besonderer Touristenmagnet werden.

Positiv blickt Prof. Ralf Jaumann in eine faszinierende Forschungszukunft, denn er weiß: „Mit immer weiter verbesserten Methoden bekommt man immer mehr heraus.“ Die Funktion der Welt immer besser verstehen zu lernen, und sie – wie Albert Einstein – mit dem Stift aus den Angeln zu heben, daran arbeiten hochrangige und neugierige Wissenschaftler wie Prof. Jaumann, nach dem ein Asteroid benannt ist, und der überzeugend betont: „Mein Beruf ist absolut spannend!“

Text: Jacqueline Lorenz

Kontakt und weitere Informationen unter:

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)
in der Helmholtzgemeinschaft
Institut für Planetenforschung
Rutherfordstr. 2
12489 Berlin

Tel.: +49 30 67055-300


www.dlr.de



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