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Prof. Dr. Rainer Haag: Professor und Wissenschaftler am Institut für Chemie und Biochemie – Organische Chemie der Freien Universität Berlin

Prof. Dr. Rainer Haag. Foto: NanoFutur
Prof. Dr. Rainer Haag. Foto: NanoFutur

04.09.2017: Langstreckenläufer der Nanotechnologie und Startup-Beschleuniger
Chemiker, Wissenschaftler, Professor – Rainer Haag forscht zusammen mit seiner Arbeitsgruppe an der Freien Universität Berlin mit viel Know-how und Ausdauer. Mithilfe der Nanotechnologie will er aggressiven Krankheitserregern und Viren den Weg in die Körperzellen verwehren. Er steht an der Spitze eines hochmotovierten Teams, das sich aus Biochemikern, Medizinern, Biologen und Physikern zusammensetzt.

Prof. Dr. Rainer Haag, der erfahrene Praktiker, behält neben seiner wissenschaftlichen Grundlagenforschung stets die Gründungs- und Startup-Entwicklung im Berliner Südwesten im Blick. Ihr verhilft er auf verschiedenen Ebenen zum Durchbruch und fördert sie mit großem Engagement; im Bewusstsein eines fruchtbaren Austausches zwischen Wissenschaft und Wirtschaft als Voraussetzung für einen erfolgversprechenden Technologietransfer.

Der Weg
1968 in Darmstadt geboren, interessierte sich Rainer Haag schon früh für die Geheimnisse der Naturwissenschaft und fand dabei im Elternhaus wertvolle Unterstützung. Sein Chemielehrer am Darmstädter Justus-Liebig-Gymnasium – ein promovierter Chemiker -  verstärkte und förderte dieses Interesse. Nach dem Abitur mit Leistungskurs Chemie studierte Rainer Haag an der Technischen Universität Darmstadt, wo er 1989 sein Vordiplom in Chemie ablegte.

Drei Jahre später folgte an der Georg-August-Universität Göttingen das Hauptdiplom, und wiederum drei Jahre darauf promovierte er dort mit Prädikat summa cum laude. Forschungsaufenthalte in Belgien und Israel sowie die Postdoktorandenaufenthalte an der University of Cambridge (England) und an der Harvard University Cambridge ( USA) führten Rainer Haag immer tiefer in die Welt der polymeren Nanostrukturen. Bereits während dieser Ausbildungsjahre erhielt er für seine herausragenden Leistungen beeindruckende Auszeichnungen und Ehrungen, die von der Aufnahme in die Studienstiftung des Deutschen Volkes über den Hans von Wartenberg-Preis der Chemischen Institute in Göttingen bis zur Auszeichnung des Fonds der Chemischen Industrie für schnelles und sehr erfolgreiches Studium reichen.

Der Weg auf der Erfolgsleiter ging weiter. „Dabei spielte manchmal auch der Zufall mit“, erklärt Rainer Haag, der keine seiner bisherigen Stationen bereut. Die Erfahrungen aus dieser Zeit brachten ihn in seiner späteren Arbeit voran.

Der Zufall führte ihn 1999 zu Prof. Dr. Rolf Mülhaupt an das Freiburger Institut für Makromolekulare Chemie, „der eigentlichen Wiege der Makromolekularen Chemie“, wie er betont. Während seiner Habilitation und durch seine Stelle als Gruppenleiter am Institut Freiburg beschäftigte sich Rainer Haag mit dem herausfordernden Forschungs-Bereich der „dendritischen Polymere als multifunktionale Träger für Wirkstoffe und Nanocarrier“.

2001 erhielt er den ADUC-Habilitanden-Preis 2000 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und wenig später den Reimund-Stadler-Preis der Fachgruppe für Makromolekulare Chemie derselben Gesellschaft.
Für die folgenden zwei Jahre fand er seinen Wirkungskreis als C3-Professor für Organische Chemie der Polymere an der Universität Dortmund, bevor er 2004 als ordentlicher Professor für Organische und makromolekulare Chemie an die Freie Universität Berlin nach Dahlem kam.

Die Reihe seiner Auszeichnungen und Ehrungen setzte sich fort, u.a. mit dem Heinz Maier-Leibnitz-Preis 2002 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und einem Dozenten-Stipendium der Deutschen Chemischen Industrie im Jahr 2003.

Der Wissenschaftler, der der Freien Universität Berlin ein hohes naturwissenschaftliches Niveau bescheinigt, unterhält gute Kontakte zum Lebenswissenschaftlichen Bereich und wird mit seinem derzeitigen Forschungsprojekt auch beim diesjährigen LIFE SCIENCE DAY am 8. September 2017 vertreten sein.

Virusbindung. Foto: Freie Universität Berlin
Virusbindung. Foto: Freie Universität Berlin

Forschungsinhalte
Mit seiner Forschergruppe an der Universität Freiburg entwickelte Prof. Haag eine Synthese zur Herstellung vollständig verzweigter, baumartiger Makromoleküle, den sogenannten Glycerol-Dendrimeren. Mit dem Ziel, als hochfunktionale Trägermoleküle Andockstellen für Wirkstoffmoleküle zu bieten. Sein weiteres Forschungsziel war es, in ihren „Baumkronen“ einen Verkapselungsprozess zu erreichen, der die gezielte Applikation von Wirkstoffen am gewünschten Einsatzort im Körper ermöglicht. Der Entwicklung derartiger Makromoleküle bis hin zur Marktreife wurde dabei besondere Beachtung geschenkt.

Seit 2008 ist Prof. Dr. Rainer Haag im Rahmen eines Forschungsprojektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zugleich Direktor des Sonderforschungsbereiches SFB 765 („Multivalenz als chemisches Organisations- und Wirkprinzip“). Die Arbeitsgruppe an der FU Berlin besteht aus rd. 60 Mitarbeitern und befasst sich aktuell mit der Erforschung von neuen Wirkstoffkonzepten, die das Andocken der mit vielen einzelnen Bindungsstellen versehenen Viren an Körperzellen verhindern sollen. Weitere Projektbeteiligte neben der Freien Universität sind die Humboldt-Universität, die Charité-Universitätsmedizin sowie das Robert-Koch Institut.

In ihrer Projektarbeit suchen die Forscher mithilfe der Nanotechnologie die Krankheitserreger zu überlisten und konstruieren auf die jeweiligen Erreger maßgeschneidert angepasste, fein ziselierte makromolekulare Kohlenstoffgerüste, an die Dutzende von Biomoleküle angekoppelt sind. Indem sie klettenähnlich die vielen viralen Andockstellen gleichzeitig anbinden, wird mithilfe dieses „multivalenten Nanosystems“ das Virus verklebt, von der Zelle abgeschirmt und inaktiviert. – Was helfen kann, schwere Grippeverläufe in der Zukunft zu verhindern. Die Forschungsergebnisse sind zum Patent angemeldet.

Die Natur als Vorbild. Foto: Lorenz
Die Natur als Vorbild. Foto: Lorenz

Ein großer Vorteil der vielfältigen Baumöglichkeiten dieses Nanosystems ist, dass es gegen ein breites Keimspektrum und gegen viele Keime gleichzeitig eingesetzt werden kann. – Ein Vorteil, der auch helfen könnte, Wasser keimfrei zu bekommen. Ein weiterer Forschungsschritt, den Haag und sein Team machen, ist, die Keime nicht nur zu binden, sondern sie darüber hinaus durch Überhitzung abzutöten.

Vision SupraFAB. Foto: Nickel&Partner
Vision SupraFAB. Foto: Nickel&Partner

Forschungs-Zukunft mit SupraFAB und FUBIC
Auf dem Dahlemer Campus geht Prof. Rainer Haag seinem Forschungsziel gemeinsam mit dem Startup-Unternehmen „Largentec GmbH“ entgegen.

Er, der selbst 2001 zusammen mit zwei Kollegen das Startup-Unternehmen „Hyperpolymers GmbH“ zur Vermarktung dendritischer Polymere ins Leben gerufen hatte, sieht die unbedingte Notwendigkeit von Ausgründungen, um Forschungsergebnissen aus der Wissenschaft eine wirtschaftliche Zukunft geben zu können. Er unterstützt daher nachhaltig den Gründungsgedanken im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Erfolgreich kooperiert er u.a. mit der Ausgründung von Dr. Sam Dylan, der „DendroPharm GmbH“ (Innovationspreisträger Berlin-Brandenburg, siehe auch Köpfe und Karrieren 12/2016), die nach Forschungsgrundlagen von Prof. Haag dendritische Nanocarrier konstruiert.

Mit besonderer Spannung blickt Prof. Rainer Haag derzeit auf das Großprojekt „SupraFAB“ der Freien Universität Berlin, das ab 2020 als dreigeschossiger Neubau für die Erforschung „Supramolekularer Funktionaler Architekturen an Grenzflächen“ den Wissenschaftlern der Fachbereiche Biologie, Chemie, Pharmazie und Physik zur interdisziplinären Grundlagenforschung zur Verfügung stehen wird. Für rund 40 Millionen Euro wird der Gebäudekomplex räumlich zwischen dem Zuse-Institut Berlin und dem Institut für Chemie und Biochemie der Freien Universität Berlin errichtet werden.

Als designierter Sprecher von SupraFAB erklärt Prof. Haag, auch mit Blick auf seine eigenen Forschungsprojekte: „Das neue Gebäude ermöglicht ab 2020 eine enge räumliche Zusammenarbeit der Wissenschaftler unterschiedlicher Fachbereiche. Wir erhoffen uns dadurch eine effektivere Nutzung der Ressourcen und eine verbesserte Kommunikation der Wissenschaftler untereinander, aus der neue Ideen und Forschungsansätze entstehen sollen.“ In anderen europäischen Ländern seien solche fachbereichsübergreifenden Einrichtungen bereits üblich, in Deutschland dagegen bislang eher selten. „Wir sind davon überzeugt, dass wir uns vom klassischen Fächerspektrum lösen müssen, um zukunftsfähig forschen zu können“, sagt Haag: „Das neue Gebäude spiegelt sinnbildlich dieses zukünftige Bild der Wissenschaft: Es soll den Austausch ermöglichen, Kommunikation fördern und dabei funktional sein. Der Neubau wird den exzellenten Ruf der Freien Universität auf dem Gebiet der Naturwissenschaften weiter stärken.“

Erwartungsvoll sieht Prof. Rainer Haag auch der Entwicklung des neuen Gründungszentrums FUBIC im Berliner Südwesten entgegen und den vielen Startups, die dort mietbaren Raum für die Startphase ihrer jungen Unternehmen aus den Bereichen der Life Sciences, der Medizinwirtschaft und der Gesundheitswirtschaft finden werden. Um die Bedürfnisse der Startups an Laborfläche zeitnah schon vor Fertigstellung des FUBIC-Campus erfüllen zu können, befürwortet Haag die zügige Aufstellung von mobilen Labor-Containern auf dem FU-Gelände  nach Vorbild des auf dem Gelände der Technischen Universität Berlin bereits errichteten „TU-INKULAB“.

Er betont: „Dringend benötigte Einrichtungen wie das FUBIC und das INKULAB tragen maßgeblich dazu bei, dass Innovationen aus den Hochschulen rasch an Firmen und  den Markt herangetragen werden können. Das ist ein lohnender Weg, zum Vorteil beider Seiten.“

Text: Jacqueline Lorenz

Kontakt und weitere Informationen unter:

Institut für Chemie und Biochemie
Freie Universität Berlin
Takustrasse 3
14195 Berlin

Tel. +49 30 838 52633
e-Mail haag(at)chemie.fu-berlin.de

www.bcp.fu-berlin.de



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