News & Termine


Prof. Dr. Michael Rohde, Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Prof. Dr. Michael Rohde. Foto: RMSW
Prof. Dr. Michael Rohde. Foto: RMSW

10.11.2017: Bewahren, erforschen, restaurieren
Wo einst der Preußische Gartenkünstler und Landschaftsarchitekt Peter Joseph Lenné (1789 -1866) wohnte und arbeitete – am Grünen Gitter 8 in Potsdam – wirkt er: der Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) Prof. Dr. Michael Rohde. Aus seinem Fenster blickt er in den Park Sanssouci, auf die Weinterrassen unterhalb des Schlosses mit der Fontäne davor, nach Osten zur Friedenskirche im Marlygarten. Eine Postkarten-Aussicht.

Vom Gärtner zum Gartendirektor
Das Schöpferische und das Schöne des Gartens mit Obst und Bienen hat sein Interesse für seinen Berufsweg geweckt. Die väterlichen Vorfahren in Ostpreußen waren Förster, darunter auch ein Kunstgärtner. Seine Großeltern und Eltern bewirtschafteten, zunächst am Geburtsort Leer in Ostfriesland, dann in der neuen Heimat Neustadt am Rübenberge bei Hannover, große Gärten. Während der Bundeswehrzeit las er den Artikel „So wurde ich Gärtner“ von Karl Foerster und Richard Bödeker. Dieser Bericht fesselte ihn so sehr, dass sein Berufswunsch fest stand: „Ich werde Gärtner.“ Es folgte eine Gärtnerlehre in der Baumschule Hannemann in Nienburg an der Weser. Dort eignete er sich erstes praktisches Wissen über die Baumzucht, aber auch über Obstbäume, Stauden, Floristik und Landschaftsgärtnerei an. Das anschließende Studium der Landschaftsarchitektur (1983-1990) an der Leibniz Universität Hannover umfasste nicht nur die Grünplanung und den Naturschutz, sondern auch die Planung von Stadtparks und Hausgärten sowie das Beherrschen der Gehölz- und Bodenkunde. Die Vorlesungen, Exkursionen und Seminare  zur Geschichte der europäischen Gartenkunst und des Stadtgrüns bei Professor Dr. Dieter Hennebo (1923-2007) waren für Rohde ein Glücksfall. Nebenbei studierte er Architektur, vor allem Baugeschichte, Stadt- und Regionalplanung, aber auch Geologie und Philosophie. Praktisches Rüstzeug erwarb er sich in vielen Praktika, u.a. bei Freischaffenden wie Ruprecht Dröge in Hannover oder Richard Bödeker und Horst Wagenfeld in Düsseldorf. 1986 war Rohde Volontär im Landschaftspark Stourhead beim National Trust in England, wo ihn die praktische Gartendenkmalpflege faszinierte.

Gleich nach dem Studium schloss sich im April 1990 ein Promotionsstipendium in Dresden und Weimar an. Thema war das Wirken von Eduard Petzold, Parkdirektor der Niederlande (1815-1891), neben Gustav Meyer der bedeutendste deutsche Gartenkünstler der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, u.a. der Vollender des Muskauer Parks, Pflanzenkenner und Meister der Parkerhaltung. Am Institut für Grünplanung und Gartenarchitektur der Leibniz Universität Hannover (1994-2004) folgten Lehrtätigkeiten und Forschungsprojekte zur Gartendenkmalpflege und die Promotion über Petzold (1998). Parallel  eröffnete Rohde ein eigenes Büro (bis 2005), um gartendenkmalpflegerische Gutachten (Parkpflegewerke) u.a. in Kassel, Weimar, Leipzig und Hannover zu erstellen. 1999 wurde er Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. 2008 erhielt er eine Honorarprofessur für Gartendenkmalpflege an der Technischen Universität (TU) Berlin.

Rohde ist Mitte 40, als er sich um die Stelle des Gartendirektors für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) bewirbt. Seit Dezember 2004 ist er in Potsdam-Berlin. Die  staatliche Aufgabe der Bewahrung, Erforschung und Vermittlung umfasst – seit der Stiftungsgründung 1995 zur SPSG - 15 Gärten und Parks auf rund 750 Hektar Fläche. Park Sanssouci ist bundesweit der bekannteste Park, u.a. gefolgt vom Schlossgarten Charlottenburg in Berlin. Seit 1990 ist die einzigartige Potsdam-Berliner Kulturlandschaft UNESCO-Welterbe. Ein wichtiger Park davon soll vollständig wieder in die SPSG-Zuständigkeit: Seit 2005 ist die Stiftung in Verhandlungen u.a. mit dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf und den Berliner Forsten zur Übertragung des gesamten Landschaftsparks Glienicke mit rund 140 Hektar Fläche von der Pfaueninsel bis zum Böttcherberg. „Der wunderbare Lennésche Pleasureground um das Schloss Glienicke mit dem GartenForum ist bereits Eigentum der Stiftung. Die Betreuung dieses gesamten Juwels der Gartenkunst Prinz Carls von Preußen (1801-1883) wäre eine gewaltige zusätzliche Aufgabe“, so Rohde. „Hier müssten dann vor allem unsere Fachgärtner und Meister unter Anleitung eines Parkleiters und kustodialer Betreuung Räume wieder öffnen, Bachläufe und Parkwege instand setzen.“

Park Babelsberg - Pleasureground/ Schloss. Foto: SPSG
Park Babelsberg - Pleasureground/ Schloss. Foto: SPSG

Drei große Herausforderungen
Der Gartendirektor sieht sich beruflich vor drei große Herausforderungen gestellt.
Erstens muss das Erscheinungsbild der Gärten zu allen Jahreszeiten präsentabel sein, denn es geht immer auch, wie Lenné es formulierte, um „die Wirkung und die Macht des Beispiels“. Historische Gärten sind die einzigen Kunstwerke, die wachsen und besonders umweltabhängig sind. Nicht nur Gärtnereien und Baumschulen, Kompostierflächen und Technikhöfe sind zur steten Bewahrung notwendig. Die Gärten müssen täglich mit hohem Fachverstand im Eigenregiebetrieb umsorgt werden. Die von der AG Deutscher Schlösserverwaltungen“ 2014 aufgestellten  Anforderungen sind für alle Gartendenkmale anwendbar, was inzwischen bundesweit anerkannt wurde. Darauf ist Rohde stolz, aber „auch in der SPSG gibt es noch ein personelles Pflegedefizit“ und zitiert den deutschen Autor und Komiker Karl Valentin: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“

Zweitens ist der Restaurierungsbedarf vernachlässigter oder veränderter Parkbereiche immer noch hoch. „Unsere Pückler-Ausstellung im Schloß Babelsberg, die bis Mitte Oktober 2017 zu sehen war, zeigt, welche Geschichts- und Gestaltungswerte mit der Wiederherstellung der `blühenden´ Schloss-Terrassen mit einzigartigen Bodenmosaiken, den Fontänen, Seen und Wasserfällen und den Blumenbeete und Wegen im Pleasureground nun wieder sichtbar werden“, erklärt Rohde. Aber nicht nur künstlerische Gestaltungen wie die geschwungenen Uferlinien an Wasserläufen und Seen in Sanssouci und im Neuen Garten oder Gärten wie der Fürstingarten vor dem Schloss Charlottenburg oder die Orangerie-Terrassen in Sanssouci wären noch zu restaurieren.  Dabei sind die infrastrukturellen und technischen Voraussetzungen zu beachten, zum Beispiel die Instandsetzung großer Teile des Bewässerungssystems. Das erfordert abteilungsübergreifende Teamarbeit innerhalb der Stiftung. So erarbeiten die Gartenkustoden dafür die Denkmalkonzepte, die in der Umsetzung mit allen abzustimmen sind. Die Methodik der Gartendenkmalpflege beinhaltet so auch archäologische und geophysikalische Untersuchungen.

SPSG-Workshop mit Prof. Dr. Kühn. Foto: Michael Rohde, SPSG
SPSG-Workshop mit Prof. Dr. Kühn. Foto: Michael Rohde, SPSG

Drittens müssen von der Gartendirektion ständig aktuelle Forschungen identifiziert und veranlasst werden, um  neueste Erkenntnisse  umsetzen zu können. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) förderte modellhaft mehrere Projekte, so beispielhaft das Projekt „Naturschutz und Denkmalpflege in historischen Parkanlagen“ (2008-2011) oder den von der SPSG initiierten internationalen Kongress „Historische Gärten im Klimawandel“.

Trockenheit, Wetterextreme und Pflanzenschädlinge bedrohen zunehmend unsere Gärten. „Diese Themen bewegen mich von Anfang an, sie zeigen, dass wir viele Einzelwissenschaften aus den Bereichen Natur, Agrar- und Ingenieurwissenschaften einbeziehen müssen“, so Rohde. Deshalb freut er sich, dass er eng mit Prof. Dr. Norbert Kühn von der TU Berlin in dem Forschungsprojekt „Zukunftsweisender Umgang mit Gehölzvegetation historischer Gärten in Zeiten des Klimawandels“ zusammenarbeitet. „Dieses DBU-Projekt erbrachte auf Basis von Versuchsflächen in unseren Parkgärtnereien grundlegende Empfehlungen, u.a. eigene Revierbaumschulen wieder einzurichten“.

Sanssouci: Östl. Lustgarten/ Weinbergterrassen. Foto: Jürgen Hohmuth, SPSG
Sanssouci: Östl. Lustgarten/ Weinbergterrassen. Foto: Jürgen Hohmuth, SPSG

Die gesellschaftliche Bedeutung historischer Gärten
„Unsere schönen alten Gärten, ob als fürstliche oder öffentliche Gärten konzipiert, sind mehr als Orte der Schönheit und der Ruhe“, erklärt Rohde. Schon Lenné sah ihre Aufgabe darin, „wie die übrigen Künste den Sinn für das Schöne zu erwecken, und gleich diesen, als Bildungs- und Erziehungsmittel für das Volk zu dienen.“ Für Rohde sind Gärten auch Gesellschaftsmodelle, „denn sie stehen in Wechselbeziehung zwischen Kunst und Natur, Erholung und Bildung, Ökonomie und kultureller Identität. Sie haben gerade in heutigen Zeiten nicht nur wichtige kultur- und sozialpolitische Aufgaben zu leisten, sondern erbringen auch kaum messbare, jedoch sehr hoch einzuschätzende sozioökonomische und volkswirtschaftliche Wertschöpfungen. Die Immobilienwirtschaft profitiert vom Standortfaktor, das Handwerk wird gefördert und sichert Arbeitsplätze. Auch die tourismuswirtschaftlichen Potentiale sind groß, zum Beispiel für das Gaststätten- und Hotelgewerbe.“

Dass Gärten zunehmend auch ökologische Funktionen erfüllen, zeigen die Gärten der Stiftung in Potsdam und Berlin: Sie dienen als verkehrsfreie Zonen, als Kälteinseln, als Sauerstoff- und Frischluftproduzenten, als Grundwasserspeicher oder als Orte der biologischen Diversität von Flora und Fauna. „Ein einzigartiges Projekt werden wir zum Beispiel im Herbst 2017 gemeinsam mit der Landeshauptstadt Potsdam durchführen“, erklärt Rohde. „Nach etwa 250 Jahren werden wieder die ersten alten Obstbaumsorten aus dem 18. Jahrhundert im östlichen Lustgarten unterhalb der Bildergalerie im Park Sanssouci nachgepflanzt. König Friedrich II. (1712-1786) ließ hier ab 1746 Obstquartiere mit rund 400 Obstbäumen mit vielen Sorten von Äpfeln, Birnen, Kirschen, Pflaumen, Pfirsichen und Aprikosen pflanzen.. Dabei sollten auch die Erfahrungen ähnlicher Schlossgärten wie die Herrenhäuser Gärten in Hannover oder Hampton Court in London genutzt werden. Die Obstbaumpflanzungen wird Friedrichs Idee, das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden, veranschaulichen. Gleichzeitig sind sie ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der genetischen Vielfalt.“

Eine Tendenz erfreut den Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg sehr: Immer mehr Bürger und Besucher identifizieren sich mit den Gärten, weil sie sich in ihnen wohl fühlen, dort entspannen und Stress abbauen. „Damit werden Lebensqualitäten wie Bewegung, Kreativität und Naturwahrnehmung, die physische und psychische Gesundheit gefördert. Wir müssen gemeinsam Sorge dafür tragen, dass diese Potentiale auch zukünftig erhalten bleiben, indem mit dem Gartenerbe und seiner Umgebung sensibel in Schutz und Bewahrung, Nutzung und Erlebbarkeit umgegangen wird.“

Text: Bärbel Petersen

Kontakt und weitere Informationen unter:

Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Postfach 60 14 62
14414 Potsdam

Tel.: 0331.96 94-309
E-Mail: gartendirektion(at)spsg.de

www.spsg.de



Das „Regionalmanagement Berlin SÜDWEST“ (RMSW) ist im Rahmen des Wirtschaftsförderprogramms Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) je zur Hälfte aus Bundes- und Landesmitteln sowie einem entsprechenden Anteil des Bezirks Steglitz-Zehlendorf von Berlin finanziert.

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie  Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung  Berlin Steglitz-Zehlendorf

Regionalmanagement Berlin SÜDWEST
Schloßstraße 48
Gutshaus Steglitz
12165 Berlin

T +49 (0)30-707 600 84
F +49 (0)30-707 600 26
info@rm-berlin-sw.de