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Dr. Dorothea Schöne vom KUNSTHAUS DAHLEM

Dr. Dorothea Schöne. Foto: Fauland
Dr. Dorothea Schöne. Foto: Fauland

29.11.2017: Nachkriegsmoderne und Erinnerungskultur „im Grünen"
„Ich darf bewahren und präsentieren, was Allgemeingut ist“, so beschreibt Dorothea Schöne, Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin, ihre verantwortungsvolle Tätigkeit, mit der sie seit 2015 zweigleisig im Kunsthaus Dahlem der Kunst der Nachkriegsmoderne, aber auch zeitgenössischen Künstlern Präsentationsraum bietet; in beeindruckender Bildungsstätte am Rande des Grunewalds als direkter Nachbar des Brücke-Museums „Kultur im Grünen“, die zum Nachdenken anregt und einen wichtigen Teil der Erinnerungskultur Deutschlands darstellt.

Die gebürtige Zehlendorferin Dorothea Schöne wurde bereits früh in ihrem humanistisch geprägten Elternhaus an die Kultur herangeführt. „Ich bin vor hohen Bücherregalen aufgewachsen, Museen-, Theater- und Konzertbesuche waren bei uns selbstverständlich“, erklärt sie ihr sich daraus entwickeltes Interesse für die Kunst. Sie weiß: „Kunstgeschichte reflektiert viele Bereiche. Sie beinhaltet Theologie ebenso wie Germanistik, Philosophie und Geschichte.“ Von jeher habe sie gerne über Künstler und deren  Arbeiten geschrieben. Und die Fähigkeit, inhaltsvolle Vorträge zu halten, hat sie wohl vom Vater mitbekommen, der Pastor ist.

Lehr- und Wanderjahre
In Berlin ging Dorothea zur Grundschule bis die Familie berufsbedingt nach Hannover zog. Nach dem Abitur am Humanistischen Gymnasium zog es sie wie so viele junge Leute erst einmal in die Welt hinaus: für ein Jahr reiste sie durch Südamerika und Guatemala. Die Reiselust hat sie sich bis heute bewahrt, war berufsbedingt in Toronto und im Nahen Osten und nimmt gerne Projekt-Angebote und Forschungsaufträge nach außerhalb an, wie sie bestätigt: „Ich freue mich immer, wenn ich der Kunst zuliebe woanders hingehen darf und bin neuen Projekten gegenüber stets aufgeschlossen“.

Dorothea Schöne absolvierte an der geistes- und naturwissenschaftlich interdisziplinär breit aufgestellten Universität Tübingen ein Studium Generale, das die wissenschaftliche Auseinandersetzung in Gegenwartsfragen, Grundfragen der menschlichen Existenz und Gespräche über die Grenzen der Einzeldisziplin hinaus ermöglichte. Danach studierte sie in Leipzig die Fächer Kunstgeschichte, Politwissenschaften, Soziologie, Philosophie und Theologie.

Getty Center museum in Brentwood, Los Angeles. Foto: Jelson25, wikimedia.org
Getty Center museum in Brentwood, Los Angeles. Foto: Jelson25, wikimedia.org

Tolle Mentoren und Ausbilder habe sie gehabt, die zu ihren Vorbildern wurden, betont Dr. Schöne und denkt dabei besonders an die Professorin für Kunsthistorik Michaela Marek, „bei der ich durch eine unerbittliche, aber lehrreiche Schule ging“, an den „großzügigen und bescheidenen“ Kurator Eckhart Gillen und an ihren „wunderbaren“ Doktorvater Professor Dr. Uwe Fleckner, dem sie einst in Amerika als Stipendiatin der Getty-Stiftung auf dem Dach des Getty-Centers in Los Angeles begegnet war.

Fast fünf Jahre arbeitete die Kunsthistorikerin als Stipendiatin in den USA, wo sie am „Los Angeles County Museum of Art“ die Ausstellung „Deutsche Kunst und Kalter Krieg“  mit vorbereitete, die dann auch in Nürnberg und Berlin gezeigt wurde.

„Berufstechnisch verwöhnt Amerika“, erklärt Dorothea Schöne und spielt damit auf die ausgereifte Museumspädagogik in den USA an, welche die Jugendlichen schon im Kinderalter abholt und ihnen den frühen Zugang zur Kunst vermittelt. „Auf diesem Bereich können wir viel von Amerika lernen“, betont sie, die dennoch im sozial-darwinistischen Amerika erstmals die Europäerin in sich gespürt habe.

Im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Universität Hamburg zum Thema „Berliner Nachkriegsmoderne“ forschte sie über die NS-Kunst. Als sie sich im Rahmen der Recherche an die Bernhard-Heiliger-Stiftung wandte, erfuhr sie von der ausgeschriebenen Leitungs-Stelle am Kunsthaus Dahlem und bewarb sich.

Sie bekam die Stelle („ich war zur rechten Zeit am richtigen Ort mit der richtigen Expertise“) und nahm die spannende Herausforderung und verantwortungsvolle Aufgabe  an. „ Echte Vollzeit-Berlinerin bin ich 2010 wieder geworden“.

Skulpturengarten. Foto: Lorenz
Skulpturengarten. Foto: Lorenz

Besuchen, erleben, bewahren, aufarbeiten
Wichtig war Dr. Dorothea Schöne als Kunsthaus-Leiterin von Anfang an die historische Aufgabe, über die nicht immer strahlende Geschichte des Hauses und über die NS-Kunst zu sprechen, dabei vieles aufzuarbeiten und sich zu öffnen.

Eine Herausforderung für das kleine Haus in Dahlem: Verdrängung ist für die Kunsthistorikerin kein Weg. Sie will zeigen, was durch die Auseinandersetzung mit der NS-Kunst entstanden ist. Auf der aufbauenden Kunst der Nachkriegsmoderne der Jahre 1945 -1961, die sie bewahren hilft, liegt dabei ihr besonderer Focus.

Aber auch zeitgenössische Künstler, in deren Werken die Themen dieser Zeiten wie Kalter Krieg, Mauerbau oder Blockade angesprochen werden, lässt sie hinter den geschichtsträchtigen Mauern zu Wort kommen und so das Dahlemer Haus lebendig und spannend für Alt und Jung deutsche Zeitgeschichte erzählen. Mit den in Amerika gesammelten Erfahrungen wendet sie sich museumspädagogisch verantwortungsvoll an die jüngeren Generationen. Denn – wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung besagt – wissen heute etwa 70 Prozent der Schüler nicht mehr, was in Auschwitz geschah…

Um Aufmerksamkeit und Verständnis für die ernsten Themen im Kunsthaus zu erlangen, lässt da die Kunsthistorikerin schon mal von Schülern Ausstellungsinhalte in Hip-Hop-Rhythmen übersetzen. Die angebotenen Workshops für Kinder ab vier Jahren und für Jugendliche werden inzwischen gut angenommen. Die älteren Generationen wissen die kleine, aber feine Bibliothek zu schätzen.
„Jedes Haus sollte sein Kernprofil, aber auch seinen spezifischen Einzelwert haben“, beschreibt die Kunsthaus-Leiterin ihr Verständnis von Museen.

Mit der Nutzung des Kunsthauses und seiner Etablierung als musealer Bildungsstandort will sie mit dazu beitragen, das Denken im Sinne gesamtdeutschen Kunstgeschehens von verbreiteten Klischees zu befreien.

Als einziges Museum Berlins bietet das Kunsthaus Dahlem einen sechssprachigen Flyer, der neben Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch auch Arabisch umfasst. Nicht nur damit bereichert das Kunsthaus Dahlem den Grünen Museumsbezirk im Berliner Südwesten, zu dem u.a. das AlliiertenMuseum, das Haus am Waldsee, aber auch die Liebermann-Villa und das Haus der Wannseekonferenz zählen. Mit ihnen will Dr. Schöne kooperieren. Denn sie weiß: „Synergien kommen immer allen zugute.“

In Sichtweite auf demselben Grundstück wie das Kunsthaus Dahlem, und seit dem 29. November 2017 nun  endlich nicht mehr durch einen Maschendraht abgegrenzt, präsentiert sich das Brücke-Museum.

Einig sind sich das Regionalmanagement Berlin SÜDWEST und Dr. Schöne über das hohe Potential dieses gemeinsamen Bildungsstandortes, für dessen weitere Entwicklung die Nachbarschaft und Zusammenarbeit zweier so hochkarätiger Museums-Edelsteine von großem Nutzen ist.

Kunsthaus Dahlem. Foto: Lorenz
Kunsthaus Dahlem. Foto: Lorenz

Kunsthaus Dahlem und seine Geschichte
Zwischen 1939 und 1942 war das Ateliergebäude am Dahlemer Käuzchenstieg 8 im Monumental-Stil von dem Architekten Hans Freese für Adolf Hitlers Lieblingsbildhauer Arno Breker als „Staatsatelier“ erbaut worden, mit Hebebühne, Lastenfahrstuhl, Kran und unterirdischem Luftschutzkeller.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus, das seit 1946 in Besitz des Landes Berlin ist, zunächst von der US-amerikanischen Besatzungsmacht genutzt, bevor die Berliner Steinmetzinnung das mittlere Atelier nutzen durfte. Der Bildhauer Bernhard Heiliger zog 1949 in den Ostflügel des im Krieg stark beschädigten Hauses. 1996 – ein Jahr nach seinem Tod – wurde die Bernhard-Heiliger-Stiftung gegründet, die seitdem in seinem ehemaligen Atelier ihren Sitz hat.

Wolf Vostell's „2 Beton-Cadillacs“ auf dem Rathenauplatz. Foto: Lorenz
Wolf Vostell's „2 Beton-Cadillacs“ auf dem Rathenauplatz. Foto: Lorenz

Ab 1965 wurde das Gebäude als Atelierhaus vom Deutschen Akademischen Austauschdienst und dem Berliner Kultursenat Künstlern unterschiedlichster Länder als „Haus der Künstler“ zur Verfügung gestellt. In den kleinen, mit sanitären Einrichtungen versehenen Ateliers wohnten und arbeiteten bis in die 90er Jahre namhafte Künstler wie Emilio Vedova, Ouhi Cha, Emmett Williams und Dorothy Iannone. Der Künstler Wolf Vostell bezog in den 80er Jahren das große Steinatelier. Hier entstand anlässlich des 750. Stadtjubiläums von Berlin sein Kunstwerk „2 Beton-Cadillacs“, das seit 1987 auf dem Rathenauplatz an den zu dieser Zeit geplanten, aber nie realisierten Skulpturenboulevard erinnert.

2014 wurde der stark renovierungsbedürftige Bau umfangreich saniert und öffnete 2015 als „Kunsthaus Dahlem“ mit angrenzendem Skulpturengarten, unterstützt von Lottogeldern und unterhalten aus der institutionellen Förderung des Landes Berlin. Träger des Kunsthauses ist als Tochtergesellschaft der Bernhard-Heiliger-Stiftung die Atelierhaus Dahlem gGmbH.

Foto: Fauland
Foto: Fauland

Museums-Highlight im grünen Bezirk
In den lichten hohen Räumen des Kunsthaus Dahlem sind  überwiegend Plastiken und Skulpturen ausgestellt, für Gemälde fehlen die konservatorischen Voraussetzungen: die Räume sind zu hell und die Temperatur im Haus ist nicht konstant zu halten.

Trotz nur dünner Personaldecke organisiert Dr. Schöne im unteren Bereich des Hauses jährlich eine größere Ausstellung, im oberen Galerie-Bereich wechseln die Ausstellungen im Dreimonatsturnus. Führungen, Workshops und Veranstaltungen kommen dazu.

Wertvolle Unterstützung dabei leistet der Freundeskreis des Kunsthaus Dahlem, in dem sich die Kunstfreunde durch kleine und größere Zuwendungen sowie mit dem überschaubaren Mitgliedsjahresbeitrag von 100 Euro für das Haus einsetzen. Sie tragen maßgeblich zur Steigerung der Attraktivität und des Bekanntheitsgrades dieses besonderen Bildungsstandortes in Dahlem bei. Neue Mitglieder sind stets willkommen, ein interessantes Programm erwartet sie.

„Manchmal fühle ich mich mit meinen vielfältigen Aufgaben wie ein Hausmeister“, lacht Dr. Dorothea Schöne, die sich auch weiterhin mit viel Begeisterung der Herausforderung stellt, das Kunsthaus Dahlem als einzigartiges Highlight in der grünen Museumslandschaft weiter zu entwickeln und als touristischen Höhepunkt im Berliner Südwesten zu etablieren.

Dafür wünscht sie sich derzeit, dass das von den Besuchern immer wieder angefragte Café im Kunsthaus Dahlem als Ruhepunkt bald realisiert werden kann. Der Tresen dafür steht bereits, doch die Betriebsgenehmigung der Behörden steht noch aus.

Mit Dr. Dorothea Schöne hofft auch ihr Nachbar, das Brücke-Museum, auf eine zügige Genehmigung des Cafés, das dann auch seinen Besuchern offenstehen wird.


Text: Jacqueline Lorenz

Kontakt und weitere Informationen unter:

KUNSTHAUS DAHLEM
Käuzchensteig 8
14195 Berlin

TEL: 030 - 83 22 72-58
info@kunsthaus-dahlem.de

www.kunsthaus-dahlem.de



Das „Regionalmanagement Berlin SÜDWEST“ (RMSW) ist im Rahmen des Wirtschaftsförderprogramms Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) je zur Hälfte aus Bundes- und Landesmitteln sowie einem entsprechenden Anteil des Bezirks Steglitz-Zehlendorf von Berlin finanziert.

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